Nachdem ich mich von dem Schock dieses furchtbaren Ereignisses vor zwei Tagen erholt hatte, hab ich gestern Abend über die Unterstützung der Nato, den eventuellen Kriegseinsatz, sowie über die Rolle der Bundesrepublik nachgedacht.
Zunächst bin ich auch der Meinung, die nächsten Schritte, die unternommen werden, sollten sehhr genau überlegt sein. Die Fehler, die wir durch zu schnelles militärisches Eingreifen machen können, sind fatal. Fest steht, dass die Zivilbevölkerung am härtesten darunter leiden wird, es wird unzählige Tote geben. Zum anderen befürchte ich, wenn die Amerikaner jetzt mit unserer Hilfe einen militärischen Gegenangriff starten, dass dann die Terroristen noch härter und unberechenbarer zurückschlagen werden. Wir sollten also die weiteren Schritte und die möglichen Konsequenzen daraus mit Sorgfalt überdenken.
Wenn es jedoch zu einem Kriegseinsatz kommt, muss die Bundesrepublik der USA auch militärisch zur Seite stehen, wobei historische Gründe hier ausschlaggebend sind. Obwohl Deutschland sich für die beiden Weltkriege zu verantworten hatte, waren die vereinigten Staaten auch immer bereit, Deutschland "aus dem Dreck" zu ziehen. Während England und Frankreich Deutschland die alleinige Schuld am I Weltkrieg zusprachen, und unmachbare Reparationsleistungen forderten, waren die vereinigten Staaten daran interessiert, Deutschland kredite einzuräumen, um die Wirtschaft anzukurbeln, damit es Zahlungsfähig werden konnte. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es dann von Seiten der USA den Marshall-Plan, ohne den das Wirtschaftswunder, das es in den fünfzigern gab, gar nicht möglich gewesen währe. Die Vereinigten Staaten haben also wesentlich dazu beigetragen, dass es uns heute in der Bundesrepublik so gut geht, wie es jetzt der Fall ist. Von dieser Seite sind wir jetzt verpflichtet, unsere Solidarität zu zeigen, egal, welchen Weg uns die Amerikaner nun weisen.
Betrachtet man die deutsche Geschichte jedoch von ihren Schattenseiten, so ist zu befürchten, dass, wenn wir in den vielleicht bevorstehenden Krieg eingreifen, wir neben den USA die meiste Gewalt zu spüren bekommen. Die fundamentalisten könnten sich ja denken: "Den Deutschen, die durch den Nationalsozialismus so viele Menschenleben auf dem Gewissen haben, die für die reine Vernichtungsaktion der Juden verantwortlich waren, fällt jetzt nichts besseres ein, als ihre Militärische Seite zu zeigen. Die sind doch nur ein Anhängsel der Amerikaner und haben kein eigenes Konzept. Da sie es immernoch nicht gelernt haben, müssen wir uns mit voller Härte gegen die wehren! Schließlich sind sie eine Gefahr für uns, was sich ja jetzt zum dritten mal zeigt!" Unser Ruf könnte also mit diesem Einsatz noch mehr gefährdet werden, denn so schnell sind solche Greueltaten, wie sie im Nationalsozialismus geschehen sind, nicht zu vergessen, was auf der anderen Seite natürlich Positiv für uns alle ist. Von daher gesehen befürchte ich, wenn militärisch vorgegangen wird, dass das Ganze eskaliert, und wir Deutschen die Angriffe oder terroristische Anschläge neben den Amerikanern am härtesten zu spüren bekommen. Wiederum ist es unverantwortlich, sich vor all dem zu verschließen und sich zurückzuziehen. Durch diese Strategie, so denke ich, würde die Beziehung zwischen der USa und der Bundesrepublik einen Schaden davon tragen.
Wie einige schon gesagt haben, ist es zudem wichtig, dass Politiker der USa und die Politiker von ganz Europa darüber nachdenken, wie sie ihre Politik gegenüber den islamischen Staaten, aber auch gegenüber der dritten Welt verändern könnte. Um wirklich auf Dauer Frieden zu erreichen, müssen alle Parteien lernen, auch verzicht von materiellen-sowie immateriellen Dingen in Kauf zu nehmen. Dazu gehört auch, dass Amerika bereit sein muss, seine Weltmachtstellung aufzugeben. Amerika kann ja z.B. in Friedensbemühungen ein hilfreicher Vorreiter der anderen Staaten sein, aber es muss sich von dem Anspruch lösen, der wichtigste und die nummer eins der Staaten zu sein. Parralel zu den militärischen Überlegungen ist es also wichtig, Verhandlungen mit der Gegenpartei aufzunehmen und herauszufinden, was ihre Motive sind, solche Anschläge wie die auf das Pentagon und das World-Trade-Center auszuüben. Wenn es wirklich nicht anders zu machen ist, so ist die Verteidigung, bei gleichzeitiger Suche nach einer politischen Lösung das beste Mittel.
Hier möchte ich jedoch noch zwei Dinge anschließen, die mir ganz wichtig sind. Wenn das Problem größten Teils bereinigt ist, muss sich die Politik dauerhaft um Frieden bemühen, die Medien müssen uns auch weiterhin inhformieren. Wenn die Politik die Friedensbemühungen vernachlässigt, und die Medien so tun als wäre das Thema nun endlich vom Tisch, ist die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass sich wieder Unmut breit macht und ein unvorhergesehener Anschlag verübt wird, bei dem unschuldige Menschen ums Leben kommen, der hätte verhindert werden können. Wenn so etwas passiert, ist die Spirale der Gewalt nicht vollständig durchbrochen, sondern setzt sich somit fort.
Fakt ist auch, dass Kinder schon früh dazu erzogen werden, für welche Gruppe sie letzten Endes Partei ergreifen, wen es zu mögen, und wen es zu hassen gilt. Dies ist ein entscheidender Grund dafür, weshalb Krieg und Gewaltbereitschaft von Generation zu Generation weitergeleitet wird. Deshalb sollten wir Europäer und die USa uns langfristig dafür einsetzen, Projekte wie Freizeiten zu fördern, in denen sich Kindern der unterschiedlichsten Kulturen und Religionen kennenlernen. Sie merken dann, dass es Menschen sind wie sie auch, die nicht gewaltbereiter sind als ihr Volk selbst. Solche oder ähnliche Projekte müssten viel mehr gefördert werden, es muss allso von Kind auf ein Umdenken in der Gesellschaft erreicht werden.
© 2001, Anja Nitschke
Die Autorin ist Studentin der Politikwissenschaften an der Philippsuniversität Marburg.