Anschläge auf World Trade Center und Pentagon

Spiegelberichte zum Anti-Terror-Kampf

Dienstag, 22. Januar 2002

Krieg gegen den Terror: Das Pentagon sucht nach neuen Zielen ---------------------------------------------------------------------

Nach wochenlangen Bombardements wollen die USA ihre Angriffe auf die afghanische Höhlenregion Schawar Kili einstellen. Jetzt ist die amerikanische Regierung auf der Suche nach neuen Zielen, nicht nur in Afghanistan. Ins Visier ist wieder einmal der Erzfeind Irak geraten.

Washington/Hamburg - Das Pentagon soll schon kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September eine geheime Einheit damit beauftragt haben, mögliche Verbindungen zwischen dem Irak und Bin Ladens Terrororganisation al-Qaida aufzudecken. Laut "Washington Times" sind Tausende Akten der CIA durchforstet worden.

Dabei soll herausgekommen sein, dass mehrere Extremistengruppen im Nahen Osten sowohl von al-Qaida als auch von Bagdad unterstützt wurden. Doch die Studie stehe im Widerspruch zu der langgehegten Auffassung der CIA, die meisten Terror-Organisationen arbeiteten unabhängig voneinander.

"Es gibt eine lang schwelende Debatte zwischen dem Pentagon, dem Außenministerium und der CIA über den Punkt, wie ausgeprägt die Verbindungen der Terror-Organisationen untereinander und zu einzelnen Staaten sind", zitiert das Blatt einen Regierungsbeamten. Handfeste Beweise gegen den Irak haben jedenfalls auch diese Untersuchungen offenbar nicht gebracht.

Ungefragte Schützenhilfe

Die US-Regierung ist uneins über die nächsten Schritte im Anti-Terror-Kampf. US-Außenminister Colin Powell wird zu den Gegnern eines Einsatzes im Irak gezählt. Der stellvertretende Verteidigungsminister Paul Wolfowitz dagegen soll einen Angriff befürworten.

Sein Argument sei, so die Zeitung, dass die USA den Krieg gegen Terrorismus nicht endgültig gewinnen können, wenn sie Hussein die Macht im Irak lassen. Ungefragten Beistand erhält Wolfowitz ausgerechnet von Joseph Lieberman, dem demokratischen Senator in Connecticut und Al Gores Kandidaten für das Amt des Vize-Präsidenten im letzten Wahlkampf. Die USA müsse den Irak angreifen, sagt Lieberman nach Angaben von CNN. "Unser klares, eindeutiges Ziel sollte es sein, das irakische Volk zu befreien. Die USA sollten sich darauf vorbereiten, dieses notfalls auch alleine durchzusetzen".

Lieberman war gerade von einer Reise nach Afghanistan und seine Nachbarländer zurückgekehrt. Man werde die Meinung des "gut-informierten" Senators in Betracht ziehen, sagte Colin Powell zu Liebermans Äußerungen laut CNN und ließ damit nach wie vor alles offen.

Das Hin und Her zu einem möglichen Angriff auf Irak geht schon seit Monaten. Einerseits will George W. Bush im Irak endlich zu Ende bringen, was sein Vater angefangen hat. Andererseits hat der US-Präsident Angst, dass die Anti-Terror-Allianz an der Irak-Frage auseinanderbricht. Mehrere Staaten haben schon Bedenken gegen eine Angriff geäußert, darunter auch die Nato-Verbündeten Deutschland und die Türkei.

Da setzt Bushs Regierung zwischenzeitlich offenbar lieber noch auf eine anderen Strategie, ebenfalls von Pentagon-Vize Wolfowitz vertreten: Den Terrorgruppen soll in den bisher für sie sicheren Ländern das Leben schwer gemacht werden. Dazu zählt Wolfowitz Somalia, den Sudan, den Jemen, Indonesien und die Philippinen.

"Militärische Gemeinschaftsübung"

Vor allem auf den Philippinen vermuten die USA al-Qaida-Kämpfer aus Afghanistan. Am Dienstag sind rund 200 US-Soldaten auf die Insel Basilan entsandt worden. Nach Angaben des nationalen Sicherheitsberaters der Phlilippinen, Roilo Gomez, geht es dabei um die Befreiung eines amerikanisches Paares und einer einheimischen Krankenschwester.

Außerdem teilte Gomez mit, dass in einem Trainingscamp etwa 100 US-Soldaten dauerhaft stationiert würden, um philippinische Soldaten zu drillen. Insgesamt würden etwa 660 US-amerikanische und 1200 philippinische Soldaten an der "militärischen Gemeinschaftsübung" teilnehmen.

Oppositionelle Politiker und die Menschenrechtsorganisation "Allianz zur Förderung von Menschenrechten" sehen in dem Training allerdings einen versteckten Militäreinsatz der USA.

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Prozess gegen John Walker: US-Taliban wird nicht hingerichtet ---------------------------------------------------------------------

Der amerikanische Taliban-Kämpfer John Walker wird vor ein ordentliches Gericht und nicht vor ein Kriegsgericht gestellt. Er soll der Verschwörung zur Ermordung amerikanischer Bürger angeklagt werden.

Washington - Vor einem Zivilgericht steht für Beihilfe zum Terrorismus lebenslange Haft. Walker soll demnach nicht des Landesverrats angeklagt werden, der mit dem Tod bestraft werden kann. Das teilte US-Justizminister John Ashcroft in Washington mit.

Falls es Beweise für weitere Anklagepunkte gebe, würde der Prozess gegen Walker ausgeweitet. Der 20-Jährige gehörte in Afghanistan nach eigenen Angaben zu einer direkt von Terroristenchef Osama Bin Laden finanzierten Kampftruppe der Taliban. Er war vor vier Jahren zum Islam übergetreten. Bei der Gefangenenrevolte in Masar-i-Scharif war er in amerikanische Hände gefallen. Im vergangenen Jahr hielt er sich laut Ashcroft sieben Monate in einem Ausbildungslager für Terroristen auf.

Der Prozess gegen den US-Taliban, der bisher auf einem Kriegsschiff im Arabischen Meer festgehalten wird, wird vor einem Bundesgericht in Alexandria bei Washington stattfinden. Walker soll jetzt vom US-Militär der Ziviljustiz überstellt werden.

Ashcroft sagte, Walker habe sich bewusst auf die Seite von Fanatikern gestellt und gegen seine eigenen Landsleute gekämpft. "Wir werden vielleicht nie wissen, warum er unserem Land und unseren Werten den Rücken kehrte. Aber wir können nicht ignorieren, dass er es tat. Jugend ist kein Freibrief für Verrat, und persönliche Selbsterfahrung ist keine Entschuldigung dafür, gegen sein eigenes Land zur Waffe zu greifen." Um Landesverrat nachzuweisen, seien jedoch entweder ein Geständnis vor Gericht oder die Aussage von mindestens zwei Zeugen erforderlich.

Operation auf Stützpunkt Guantanamo

Auf dem US-Stützpunkt Guantanamo Bay auf Kuba haben unterdessen Marineärzte einen aus Afghanistan verlegten Gefangenen operiert. Der Mann habe an einer rund vier Wochen alten Schusswunde am Arm gelitten und große Schmerzen gehabt, sagte Pentagon-Sprecherin Victoria Clarke in Washington. Vor dem Eingriff sei dem Mann die Prozedur erklärt worden. Der Patient gehört zu den 50 mutmaßlichen Mitgliedern der Terrororganisation al-Qaida und Taliban, die bisher von Kandahar nach Kuba gebracht worden waren.

Menschenrechtsorganisationen hatten die Befürchtung geäußert, dass die auf dem Stützpunkt in Käfigen untergebrachten Gefangenen nicht internationalen Standards gemäß behandelt würden. Kuba hat den USA Hilfe für das Gefangenenlager angeboten. Man sei "zur Zusammenarbeit hinsichtlich medizinischer Dienste sowie der sanitären Versorgung in den umliegenden Gebieten unter unserer Kontrolle bereit, sowie in jeder anderen nützlichen, konstruktiven und humanitären Hinsicht", hieß es in einer am Uno-Sitz in New York verbreiteten Erklärung.

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Terror-Fahndung: Finanzier der al-Qaida kapituliert ---------------------------------------------------------------------

US-Geheimdienste hoffen auf eine Fülle neuer Hinweise: In Afghanistan hat sich ein Mann gestellt, der Osama Bin Ladens al-Qaida bedeutende Summen gespendet haben soll. Der Terror-Gruppe fällt es nach US-Angaben immer schwerer, ihre Anhänger zu bezahlen.

Kandahar/New York - "Er stand buchstäblich plötzlich vor unserem Tor", sagte ein US-Militär zur Kapitulation des mutmaßlichen Terroristen. Der Mann habe sich freiwillig bei den Marines am Flughafen von Kandahar gestellt. CNN berichtet unter Berufung auf Militärkreise, der Mann habe mit Geldgeschäften der al-Qaida zu tun und habe offenbar auch eigenes Geld investiert, um das Terrornetzwerk zu finanzieren.

Der US-Offizier James Jarvis wollte gegenüber der Nachrichtenagentur AP nichts genaueres über die Identität des Mannes mitteilen. Seine Nationalität und sein Name sind bisher unbekannt. Offiziell teilt amerikanische Militär nur mit, der Mann "behaupte, Informationen über al-Qaida zu haben". Man sei hoch erfreut darüber, dass er sich gestellt habe. Derzeit hält sich der Mann AP zufolge weiter in der Marine-Basis in Kandahar auf, wo er befragt werde. Er sei aber nicht inhaftiert worden.

CNN berichtet unter Berufung auf amerikanische Sicherheitskreise, der Mann sei ein "führender Kopf" im afghanischen Opium-Geschäft.

Der US-Finanzminister Paul O'Neill hat derweil die Erfolge bei der Austrocknung geheimer terroristischer Geldströme gelobt. In der "Charlie Rose"-Show sagte O'Neill, al-Qaida kämpfe mit schweren Probleme, weil viele Konten der Terroristen mittlerweile gesperrt seien. Kanäle, durch die bisher Gelder geflossen seien, könnten nicht mehr genutzt werden wie bisher. Al-Qaida könne vielfach seine Mitglieder nicht mehr entlohnen und habe ernste Schwierigkeiten beim Einkauf von Vorräten.

Nach dem 11. September haben die USA die Guthaben von Organisationen, Personen und Gruppen eingefroren, die in Verbindung mit Osama Bin Ladens Terrornetzwerk stehen sollen. Viele dieser Gruppen sollen sich als wohltätige Vereinigungen getarnt haben. In den USA wurden Konten mit einem Gesamtguthaben von 34,2 Millionen Dollar gesperrt, andere Länder haben 33,9 Millionen Dollar eingefroren.

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Terroristen-Codes geknackt: Die brisanten Dateien der Abdullah Vertrags-Gesellschaft ---------------------------------------------------------------------

In nächtelanger Arbeit entschlüsselten Journalisten des "Wall Street Journal" die Dateien eines Computers, den ein Plünderer in Kabul mitgeschleppt hatte. Inhalt: Terror-Pläne gegen Amerikaner und Israelis, ein Brief an Mullah Omar und ein rätselhafter Erkundungsbericht, der vom Schuh-Attentäter stammen könnte.

Hamburg - Die Terrororganisation al-Qaida verfügte offenbar über fähige Computer-Fachleute. Manche Texte auf der Festplatte des Rechners waren so komplex gesichert, dass es Tage und Nächte dauerte, den Zugang zu knacken. Andere waren in einer rätselhaft kodierten Sprache voller Auslassungen verfasst. Den Rechner hatte ein Reporter des "Wall Street Journal" im Dezember in einem Basar in Kabul erstanden. Der Verkäufer hatte ihn zuvor einem Plünderer abgekauft, der ihn wiederum aus einem al-Qaida-Haus weggeschleppt hatte.

Ihre eigene Organisation hatten die Terroristen mit Tarnnamen versehen. Das Taliban-Regime hieß "Omar & Co. KG", Bin Ladens al-Qaida "Abdullah Vertrags-Gesellschaft". Direkte Bezüge zu den Attentaten des 11. September finden sich laut "Wall Street Journal" in den bislang gelesenen und ins Englische übertragenen Dateien nicht. Doch der Inhalt erlaubt Aufschlüsse über Planungen, Sicherheitsprozeduren und weltweite Verbindungen der Terroristen kurz vor den Anschlägen.

So fand sich etwa ein Bericht über eine in Kanada geplante Operation: Dort sollten Daten über amerikanische Soldaten gesammelt werden, die im Bereich der kanadisch-amerikanischen Grenze Nachtclubs besuchen, und über diplomatische Missionen der Israelis in Kanada. Andere Dateien umreißen, wie die al-Qaida codierte Nachrichten nach Pakistan übermittelte. Auch ein Brief an Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar fand sich auf der Festplatte, in dem er für die Zerstörung der antiken Buddha-Statuen gepriesen wird und als nächstes Ziel die Uno verlangt wird.

Besonders vertrackt geschützt war ein Bericht über Terrorrecherche in Israel. Allein um das Passwort dieser Datei zu knacken, brauchten mehrere hintereinander geschaltete Hochgeschwindigkeitsrechner fünf Tage. Der Inhalt macht Angst: Hochrangige al-Qaida-Leute erhielten den Report rund einen Monat vor den Anschlägen auf das World Trade Center in New York. In dem Text heißt es, dass Israel und Ägypten außerordentlich gute Möglichkeiten für Terroranschläge böten.

Wer diesen tagebuchartigen Bericht geschrieben hat, ist unklar. Allerdings ergeben sich, was Reiseroute und Reisedaten betrifft, erstaunliche Parallelen zu entsprechenden Daten von Richard Reid, dem "Schuhattentäter", der kurz vor Weihnachten mit Sprengstoff in den Sohlen auf dem Flug von Paris nach Miami überwältigt worden war.

Der Autor berichtet in dem 13-seitigen Text, wie er im Sommer 2001 über Amsterdam mit El Al nach Tel Aviv geflogen ist. Er beschreibt, wie er ganz legal seinen alten, mit einem auffälligen pakistanischen Visum versehenen britischen Pass in den Niederlanden beim Konsulat gegen einen neuen austauscht. Der Trick: In der Waschmaschine verschwindet der Stempel. Allerdings, so warnt er gleichzeitig, sollte man das höchstens einmal tun, um nicht unnötig Verdacht zu erregen.

Der Bericht beschreibt auch, wie sich ein Attentäter in der israelischen Sicherheitskontrolle verhalten sollte. Auf die übliche Frage nach dem Reisegrund solle man etwa antworten: "Ich will die heiligen Stätten besuchen", und wenn gefragt werde, ob man vorher schon mal im Nahen Osten war, solle die Antwort auf jeden Fall "Nein" lauten. Der Terror-Scout hält es für möglich, dass Attentäter Sprengstoff zum Beispiel von Betlehem im palästinensischen Westjordanland nach Jerusalem bringen könnten, wenn sie einen europäischen Pass haben. Europäer würden von den israelischen Grenzkontrollen kaum durchsucht. Allerdings steht laut "Wall Street Journal" nirgendwo in dem Bericht etwas über Verbindungen zwischen der al-Qaida und militanten Palästinenserorganisationen wie etwa Hamas.

Skrupellos und kalt analysiert der Terrorist mögliche Anschlagsziele. Da tauchen etwa israelische Hochhäuser auf. Außerdem die Klagemauer, weil dort das Sicherheitsrisiko minimal und die Wirkung immens sei. Der Bahnhof von Tel Aviv sei vor allem Samstagabends ein "gutes" Ziel, weil das Gebäude nach Ende des Sabbats voller Soldaten sei.

Das jüngste Dokument auf dem Computer ist datiert auf den 10. November - drei Tage vor der Flucht der Taliban aus der afghanischen Hauptstadt. Es ist eine wüste Beschimpfung der USA.

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Neues al-Qaida-Video: "Sie können überall sein" ---------------------------------------------------------------------

Die US-Regierung hat Teile eines weiteren in Afghanistan gefundenen Videos veröffentlicht. Es zeigt fünf mutmaßliche al-Qaida-Kämpfer. Justizminister Ashcroft forderte die Weltöffentlichkeit auf, bei der Suche nach den Männern behilflich zu sein. Unterdessen überprüft eine Rot-Kreuz-Delegation die Haftbedingungen der Kriegsgefangenen in Guantanamo.

Washington - Justizminister John Ashcroft und der Direktor der Bundespolizei FBI, Robert Muller, führten das Video auf einer Pressekonferenz vor. Das Band sei im Haus von Mohammed Atef in Afghanistan gefunden worden, erklärte Ashcroft. Atef gilt als einer der führenden al-Qaida-Terroristen. Ihm werden Verstrickungen in die Attentate 1998 auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania nachgesagt.

Die fünf mutmaßlichen al-Qaida-Kämpfer, die sich in dem Video mit ihren Waffen zeigen, können sich nach Aussage des Ministers überall in der Welt aufhalten. Ashcroft bat daher die Bevölkerung, bei der Suche nach den Verdächtigen zu helfen.

Nach Einschätzung des Justizministers zeigen die Aufnahmen junge Männer, die Märtyrer-Nachrichten von Selbstmord-Terroristen überbrachten. Die Analyse des Bandes habe ergeben, dass sie möglicherweise dafür trainiert worden seien, künftige Selbstmord-Anschläge zu verüben. Vier der fünf Männer seien bereits von den Behörden identifiziert worden.

Muller erklärte, die Aufzeichnungen würden aber weiter untersucht, um herauszufinden, wann sie gemacht wurden und ob einer der Männer in der Vergangenheit in die USA gereist sei. Jede Information sei potenziell wertvoll, so der FBI-Mann. Muller machte darauf aufmerksam, dass - während die Militäraktionen in Afghanistan andauerten - sowohl das FBI als auch das CIA daran arbeiteten, Terroristen zu enttarnen und zukünftigen Attentaten vorzubeugen.

Verschiedenen Medien hatten zuvor von in Afghanistan gefundenen Videos berichtet, auf denen al-Qaida-Angehörige Anschläge auf führende Politiker der Welt geprobt hätten. Al-Qaida und Bin Laden werden für die Anschläge in den USA am 11. September verantwortlich gemacht.

IKRK-Inspektion auf Kuba

Eine fünfköpfige Delegation des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) ist nach US-Medienberichten am Donnerstag auf dem Marinestützpunkt Guant namo auf Kuba eingetroffen. Die IKRK-Vertreter wollen sich ein Bild von den Haftbedingungen der Kämpfer der radikal-islamischen Taliban-Milizen und des Terrornetzwerkes al-Qaida machen.

Zur Zeit befinden sich 110 Häftlinge aus Afghanistan auf der Basis in Guant namo. Dort werden die Häftlinge in Drahtverschlägen mit Wellblechdach untergebracht. Der Kommandeur des Stützpunktes, Brigadegeneral Michael Lehnert betont immer wieder, dass die Häftlinge menschlich behandelt würden. Sie seien wegen Morddrohungen gegen US-Bürger als sehr gefährlich einzustufen.

Nach scharfer Kritik an dem Umgang der Gefangenen hatte die US-Regierung das IKRK zu einer Inspektion eingeladen. Insgesamt sollen in Guantanamo bis zu 2000 Häftlinge untergebracht werden.

Die Uno-Menschenrechtskommissarin Mary Robinson hatte die USA in diesem Zusammenhang an die Genfer Konvention erinnert, die die Behandlung von Kriegsgefangenen regelt. Die USA hingegen betrachten diese Häftlinge nicht als Kriegsgefangene. Deshalb greife in diesem Falle die Genfer Konvention nicht.

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Afghanistan: Bin Laden vielleicht tot ---------------------------------------------------------------------

Unermüdlich sind die amerikanischen Spezialeinheiten auf der Suche. Doch Osama Bin Laden bleibt verschollen. Jetzt gibt es neue Spekulationen über sein Schicksal: Möglicherweise, so Pakistans Präsident, erlag der Terrorfürst seinem Nierenleiden.

Islamabad - "Ich denke, um es ganz offen zu sagen, dass er tot ist, weil er ein Nierenkranker ist", sagte der pakistanische Militärmachthaber General Pervez Muscharraf in einem Interview mit dem Fernsehsender CNN am Freitag.

"Wir wissen, dass er zwei Dialyse-Geräte für Afghanistan gespendet hat. Eines war für seinen persönlichen Gebrauch bestimmt." Während der US-Luftangriffe habe Bin Laden vermutlich keine medizinische Behandlung erhalten können. "Auf den Bildern, die uns im Fernsehen gezeigt wurden, wirkte er extrem schwach."

Muscharraf sagte nicht, ob sich seine Äußerungen auf Geheimdienstberichte stützten oder ob es sich lediglich um Vermutungen handele. Das letzte Lebenszeichen von Bin Laden war eine Videoaufnahme, die der Fernsehsender al-Dschasira am 26. Dezember ausstrahlte.

Widersprechende Geheimdienst-Berichte

Anfang der Woche hatte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gesagt, er glaube, dass Bin Laden und der geistige Anführer der Taliban, Mullah Omar, sich innerhalb Afghanistans aufhielten. Dennoch suchten die US-Einheiten von Zeit zu Zeit auch anderswo nach ihnen.

Es gebe täglich Dutzende sich widersprechender Geheimdienst-Berichte. Die meisten von ihnen seien jedoch falsch, unterstrich Rumsfeld. Die Mehrheit der Berichte basierten auf Augenzeugenberichten aus Afghanistan, die nicht überprüft werden könnten.

Aus dem Verteidigungsministerium verlautete unterdessen, dass viele Offizielle mangels glaubhafter Informationen über den Verbleib der beiden Terroristen inzwischen davon überzeugt seien, dass die US-Einheiten Bin Laden und Mullah Omar nur durch reines Glück erwischen könnten oder wenn ihre Anhänger sie auslieferten.

In den vergangenen Monaten war immer wieder über den Aufenthaltsort Bin Ladens gemutmaßt worden. Jüngsten Spekulationen zufolge könnte der al-Qaida-Chef über das offene Meer geflohen sein. Als mögliche Zufluchtsorte gelten Pakistan, der Iran, Tadschikistan und Usbekistan.

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Die Börsen-Spur: Wer machte den Super-Deal mit dem Terror? ---------------------------------------------------------------------

Kurz vor dem 11. September spekulierten Anleger in den USA im großen Stil auf den Kurssturz von Aktien der betroffenen Fluggesellschaften und Banken aus dem World Trade Center - Geschäfte, die ohne Vorwissen wenig Sinn ergaben. Doch über diesen Ermittlungsstrang wahren die Fahnder strengste Geheimhaltung. Der Ruf einiger Finanzhäuser steht auf dem Spiel.

Von Harald Schumann

Berlin - Die Spur war brandheiß. Schon wenige Stunden nachdem die Twin Towers in New York eingestürzt waren, berichteten Branchendienste über vorangegangene Finanztransaktionen, die nur mit dem Wissen über die bevorstehenden Anschläge Sinn ergaben und plötzlich große Gewinne abwarfen. Gleich mehrere US-Börsen meldeten noch in derselben Woche die verdächtigen Geschäfte an die zentrale Aufsichtsbehörde, die Securities and Exchange Commission (SEC), die seitdem die Ermittlungen führt.

Und voller Zuversicht, auf diesem Weg eine Spur zu den Verwaltern der Kriegskasse von Osama Bin Laden zu finden, versprach SEC-Chef Harvey Pitt Ende September 2001 bei einer Anhörung im US-Kongress, seine Behörde werde "die Käufer finden, wo immer sie sind". Gleichwohl konnten oder wollten die Fahnder bis heute keinen der Urheber der Transaktionen ausmachen. Auf Nachfrage teilen die SEC-Beamten nur mit, die Ermittlungen dauerten an. Alles weitere unterliege strikter Geheimhaltung.

Das ist erstaunlich. Denn die Indizien dafür, dass Insider des Terror-Plots mit den Konsequenzen ein Vermögen machen wollten, sind erdrückend. Schon am 19. September veröffentlichte das renommierte israelische Institute for Counter-Terrorism eine Studie, die detailliert die verblüffend zielgerichteten Transaktionen auflistete. Demnach verzeichneten die Händler an der Chicagoer Börse am 6. und 7. September den Kauf von 4744 so genannten Put-Optionen für Aktien der United Airlines (UAL), einer der beiden Fluggesellschaften, deren Maschinen für den Anschlag entführt wurden. Der Umsatz betrug ein Vielfaches der an anderen Tagen gehandelten Menge dieses Kontrakts.

Mit den Put-Optionen spekulierte der Anleger auf den Fall des Aktienkurses. Durch die Puts erwarb er das Recht, die Aktien für einen Festpreis zu einem späteren Termin zu verkaufen. Fällt der tatsächliche Kurs der Aktie unter den vereinbarten Festpreis, steigt der Kurs der Put-Option. Auch für Anteile von American Airlines, der anderen betroffenen Fluggesellschaft kauften Unbekannte noch am 10. September 4516 Put-Scheine. Für einen bevorstehenden Absturz der beiden Aktienwerte gab es zu diesem Zeitpunkt keinen Hinweis.

Nicht minder verdächtig waren die Spekulationen gegen die Aktienwerte der Investment-Bank Morgan Stanley, die auf 22 Etagen große Abteilungen im World Trade Center unterhielt, sowie den Konkurrenten Merrill Lynch, der in einem der Nachbargebäude untergebracht war. Für beide Papiere schnellten die Verkäufe von ebensolchen Put-Optionen kurz vor dem 11. September um bis zu 2000 Prozent in die Höhe, obwohl keine negativen Unternehmenszahlen oder Prognosen auf dem Markt waren.

Der Vorteil des Kaufs von Optionen ist, dass sie nur einen vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz erfordern, aber im Fall der richtig geratenen Kursentwicklung enorme Gewinne abwerfen. Und raten mussten diese Anleger wohl nicht. Denn die Umstände und Volumina dieser Geschäfte, "entsprachen genau dem, was man gewöhnlich von Insider-Geschäften kennt", erklärt Don Radlauer, Börsenexperte und Autor der israelischen Studie. Nicht nur das Timing der Deals passte allzu gut. Zudem waren sie spezifisch auf die vom Anschlag betroffenen Firmen gemünzt. Es gab vielleicht gute Gründe, auf einen Abwärtstrend der Luftfahrt-Industrie zu wetten, aber es gab keinen vergleichbaren Sprung beim Handel mit den Put-Option auf andere Airline-Aktien. Gleichzeitig war der Umfang der Optionskäufe extrem hoch und nur auf die kurze Zeit der fünf Tage vor den Anschlägen beschränkt. "Das widersprach ganz außerordentlich den üblichen Handelsvolumina", urteilte auch Jon Najarian, Mitinhaber der Firma PTI Securities, die selbst täglich im Optionshandel aktiv ist.

"Die Sache stinkt"

Insgesamt brachten die vermuteten Insider-Deals mit dem Terror nach Radlauers Kalkulationen den Anlegern über 16 Millionen Dollar ein. Denn die Aktienwerte der betroffenen vier Unternehmen stürzten nach den Anschlägen im freien Fall. Dabei machten die beteiligten Händler an der auf den Optionshandel spezialisierten Börse von Chicago allerdings eine verblüffende Erfahrung: Einer der Kunden löste Kontrakte im Wert von 2,5 Millionen Dollar gar nicht ein, die Optionen verfielen.

Insbesondere dieser Umstand stützt den Verdacht, dass es Anleger gab, die vorab von den geplanten Terror-Attacken wussten. Denn nicht vorhersehbar war die Tatsache, dass der Handel für einen Teil der Kontrakte nach den Anschlägen erst einmal ausgesetzt wurde. Zu Zeitpunkt der Wiederaufnahme des Handels mussten mögliche Insider aber schon mit Verfolgung rechnen. "Normalerweise, wenn jemand einen solchen Profit macht, dann nimmt er das Geld und macht sich aus dem Staub", erklärte einer mit den Transaktionen befassten Ermittler einem Reporter des "San Francisco Chronicle". "Wer immer dies gemacht hat, hat nicht bedacht, dass die Börse für vier Tage schließen würde. Die Sache stinkt."

Das gilt mittlerweile aber auch für die Ermittlungen.

Während Amerikas Fahnder in Sachen Terror bislang noch beinahe jedes Detail und jeden Verdächtigen sogleich der Öffentlichkeit präsentierten, selbst wenn diese sich später als unschuldig erwiesen, wahren die SEC-Fahnder bei der Börsenspur eisernes Schweigen. Zwar hatte SEC-Chef Pitt schon im September erklärt, es könne schwierig werden, "weil die Leute Strohmänner und ausländische Institute nutzen können". Aber, so versprach Pitt, "wir bekommen diese Information".

Daraus wurde allerdings bislang nichts, zumindest nicht für die Öffentlichkeit. Eine Erklärung dafür ist die mögliche Verstrickung renommierter Firmen der US-Finanzindustrie in die Verwaltung von Kapital aus zweifelhaften Quellen.

So wurde bekannt, dass rund die Hälfte der UAL-Optionen über die Investmentbank Alex Brown Bankers Trust geordert wurde, der US-Tochter der Deutschen Bank. Nachfragen bezüglich des dortigen Auftraggebers wehrten Sprecher der Bank mit Verweis auf das Kundengeheimnis ab. Pikant an der Bankers-Trust-Connection ist der Umstand, dass gegen frühere Mitarbeiter der Bank seit langem wegen Verstrickung in Geldwäsche-Delikte ermittelt wird, während gleichzeitig der frühere Chef des Private Banking bei Alex Brown, Alvin Krongrad, heute dem Geheimdienst CIA als Direktor dient.

So mancher amerikanische Verschwörungstheoretiker bastelte daraus bereits die These, CIA-Mitarbeiter hätten womöglich Informationen über bevorstehende Anschläge gehabt und versucht, damit Geld zu machen. Plausibler ist jedoch eine viel einfachere These: Die beteiligten Geldhäuser sind vermutlich nicht in der Lage, die wahre Identität der Gewinner des Deals mit dem Terror auszumachen, weil diese im weltweiten Netz der Offshore-Zentren von Cayman Island bis Liechtenstein und den dort registrierten Briefkastenfirmen erfolgreich ihre Spur verwischen konnten. In diesem Fall hätten die beteiligten Geldhäuser aber gegen die Grundregel der Geldwäsche-Bekämpfung verstoßen: "Know your customer" - handele nur mit Kunden, die du kennst.

Wenn dies die Ursache für den schleppenden Gang der Ermittlungen sei, meint Börsenfachmann Radlauer, gebe es für das Schweigen der SEC über die ursprünglich so heiße Spur zu den Hintermännern des Terrors eine einfache Erklärung: "Sie können nichts sagen, ohne die Reputation der involvierten Banken zu beschädigen."

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