Der Extremistenführer Osama Bin Laden ist nach Ansicht einer seiner vier Frauen noch in Afghanistan. Zudem berichtet Bin Ladens Gemahlin in einem Interview von Meinungsverschiedenheiten des mutmaßlichen Terroristenführers mit dem Taliban-Chef Mullah Omar.
Kairo - Entgegen anders lautender Berichte glaube sie nicht, dass Bin Laden tot sei, erklärte die als A. S. vorgestellte Frau in einem am Sonntag veröffentlichten Interview des saudi- arabischen Magazins "Al-Madschalla". "Ich fühle es, dass er noch am Leben ist", sagte sie dem Bericht zufolge. Sie glaube nicht, dass Bin Laden Afghanistan verlassen habe. "Er wollte immer sein Leben dort beschließen und sagte einmal, wenn er je Afghanistan verlasse, würde er aufhören, Gott zu treffen", sagte die Frau. Sie habe ihn zuletzt einige Tage vor dem 11. September gesehen. Damals habe Bin Laden seine Familie aus Kandahar weggeholt und nahe der pakistanischen Grenze untergebracht. Wo und wann das Interview zu Stande kam, wurde nicht bekannt.
In den Monaten vor ihrer Trennung sei Bin Laden abends meist sehr spät nach Hause gekommen, er sei unruhig gewesen, habe über Nierenschmerzen geklagt und Beruhigungsmittel genommen, berichtete die Frau. Er habe auch anklingen lassen, dass es Meinungsverschiedenheiten mit Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar gegeben habe, und er fürchte, an die USA ausgeliefert zu werden.
Bin Ladens Frau sagte der Zeitung, ihr Mann habe die Erziehungspolitik der Taliban für falsch gehalten. Im von den Taliban beherrschten Afghanistan erhielten Schüler lediglich Religionsunterricht. Bin Laden habe für seine Kinder deshalb Privatunterricht organisiert, damit diese Arabisch, Englisch, Mathematik, Naturwissenschaft und den Umgang mit Computern lernten.
Weiter berichtete die Frau, Bin Laden habe sehr aggressiv reagiert, wenn sie ihn auf die Bombenanschläge auf US- Botschaften in Ostafrika im Jahr 1998 angesprochen habe. Die USA machen Bin Laden für die Anschläge in Nairobi, Kenia und Dar-Es-Salam verantwortlich.
© Der Spiegel