Anschläge auf World Trade Center und Pentagon

WTC-ATTENTÄTER: Konspirative Treffen an der Costa Dorada

Sonntag, 25. August 2002

Die Fahndung nach den Hintermännern der Terroranschläge vom 11. September konzentriert sich immer mehr auf Spanien: Dort sollen sich al-Qaida-Mitglieder getroffen haben, um die Attentate zu planen. Möglicherweise begegnete Terrorpilot Atta auch einem der mutmaßlichen Täter von Djerba.

Ramzi Binalshibh unterschied sich kaum von den anderen Touristen. Ein schlanker Jemenit, 29 Jahre alt. Mit einer Passagiermaschine aus Deutschland landete er am 9. Juli vergangenen Jahres auf dem kleinen Flughafen in der Nähe des spanischen Badeorts Salou an der Costa Dorada.

Mehrere Male soll er in den kommenden sieben Tagen mit dem Terrorpiloten Mohammed Atta zusammengekommen sein, berichtet die "New York Times". Wann genau und wie oft sich die beiden Männer getroffen haben, ist bislang aber unbekannt. Da sie sich jedoch zum selben Zeitpunkt in Salou aufhielten erscheint die Theorie plausibel, dass sie sich dort getroffen und über Aktionen der al-Qaida gesprochen haben, zitiert die "New York Times" ungenannte Quellen.

Binalshibh, der sechs Tage vor den Attentaten vom 11. September von Deutschland nach Pakistan flog und seitdem spurlos verschwunden ist, soll zum kleinen Kreis der Finanzmanager gehören, die für die Terrororganisation al-Qaida Geld verschieben. Fahnder vermuten, dass er wie Atta als Terrorpilot agieren sollte. Weil sich die Behörden jedoch weigerten ihm das nötige Visum auszustellen, durfte er nicht in die USA einreisen. Trotzdem wurde er einer der meistgesuchten Hintermänner des Terrornetzwerks. Amerikanische und spanische Fahnder vermuten, dass er zu den wenigen Leuten gehört, die genau über die Hintergründe der Attentate Bescheid wissen.

Schon seit Ende 1998 soll Binalshibh intensiven Kontakt mit al-Qaida-Mitgliedern in ganz Europa gehabt haben. Auch in seinem zeitweiligen Wohnort Hamburg soll er sich an den Planungen der Anschläge beteiligt haben. In den aktuellen Ermittlungen nach den Anschlägen auf die Synagoge im tunesischem Djerba konnte offenbar auch eine Verbindung zwischen Binalshibh und einem der Hauptverdächtigen in Deutschland festgestellt werden. "Wir suchen ihn verzweifelt," sagte ein FBI-Beamter gegenüber der "New York Times".

Dem Bericht zufolge haben Atta und Binalshibh Spanien als Treffpunkt gewählt, weil sie in den EU-Staat leicht einreisen können. Zudem wirkten sie in der Masse der Touristen wie normale Reisende. Wie ein spanischer Hotelbesitzer vermutet, sollen sich die beiden Männer mit mindestens drei weiteren Komplizen getroffen haben. Tatsächlich haben die spanischen Fahnder bislang allerdings noch keine Zeugen gefunden, die Atta und Binalshibh zusammen gesehen haben.

Die beiden mutmaßlichen Terroristen sind alte Bekannte: Bereits im November 1998 bezogen sie zusammen in der Hamburger Marienstraße eine Wohnung. Häufige Besucher waren Ziad al-Jarrah und Marwan al-Shehhi - zwei der Flugzeugentführer. Zwei weitere Attentäter soll Binalshibh im Januar 2000 getroffen haben. Nachdem ihm die amerikanische Botschaft in Berlin das USA-Visum mehrmals verweigerte, soll Binalshibh als al-Qaida-Finanzier agiert haben: Im Auftrag des Terrornetzwerks, so schreibt die "New York Times", soll er Geld für den Flugunterricht der späteren Attentäter in die Vereinigten Staaten überwiesen haben.

Am 16. Juli registrierten die spanischen Behörden Binalshibhs Rückflug nach Hamburg. Zwei Tage später startete der Terrorpilot Mohammed Atta in die Vereinigten Staaten

© Der Spiegel


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