"The Times": Klare Notwendigkeit des Krieges Die konservative britische Zeitung "The Times" schreibt am Freitag zum Beschluss der afghanischen religiösen Führer: "Die Aufforderung der Geistlichen an Bin Laden, das Land zu verlassen - falls er es wünsche, wohin auch immer und zu einem Zeitpunkt der eigenen Wahl - war der blanke Hohn. Die Drohung mit dem Heiligen Krieg, falls der Westen angreift, war klar. Wenn die Taliban Bin laden beschützen, dann nicht nur, weil er ihr Bankier ist, sondern auch, weil sie seine Feindseligkeit gegenüber der gesamten nichtislamischen Welt im Allgemeinen und den USA im Besonderen teilen. Sie würden lieber Afghanen unnötigerweise sterben sehen, statt zuzugeben, dass auch sie eine Verantwortung im Kampf gegen den Terrorismus und bei der Verweigerung eines Asyls für die Täter haben. Ihre Haltung zeigt die klare Notwendigkeit dieses ungewünschten Krieges."
"Liberation": Weltwirtschaftliche Dimensionen der Schockwelle Die linksliberale französische Tageszeitung "Liberation" meint am Freitag zu den ökonomischen Folgen der Terroranschläge in den USA: "Um der Weltmacht zu schaden, haben die Terroristen nicht nur richtig gezielt, sie haben auch den geeigneten Augenblick getroffen, als die Wirtschaftsmacht Amerika an der Schwelle einer Rezession stand. Das konnte nicht bedrohlicher ausfallen, denn die Schockwelle der Terrorattacken hat weltwirtschaftliche Dimensionen erhalten. Bislang haben die Notenbanken eine Panik verhindern können. Werden die Dämme halten? Zuletzt profitierte die Konjunktur allein vom Verbraucher. Aber auf beiden Seiten des Atlantiks werden die Indikatoren für das Vertrauen in die Zukunft immer schwärzer. In den positivsten Prognosen wird von einer Erholung ausgegangen, die später und weniger stark eintreten wird. Die Schwarzseher ihrerseits setzen ihrem Pessimismus keine Grenzen mehr."
"The Financial Times": Hoffnung auf Sturz der Tailban begründet Die britische Wirtschaftszeitung "The Financial Times" kommentiert den bevorstehenden Krieg gegen den Terrorismus: "Es sollte möglich sein, die Taliban durch besonnenen Einsatz von Kommandotruppen und Luftüberlegenheit zu stürzen. Schon vor den Angriffen der vergangenen Woche stellten die Taliban eines der weltweit besonders verachteten Regime, auch in der islamischen Welt. Die USA und ihre Verbündeten dürfen begründete Hoffnung haben, die Welt von der Taliban-Herrschaft befreien zu können. Die Verhaftung oder Ausschaltung von Bin Laden oder dessen Anhänger wird sehr viel schwieriger werden. Zwischenzeitlich kann in Afghanistan das Chaos herrschen. Möglicherweise muss man sich entscheiden: Zwischen einer langfristigen Präsenz im Lande mit allen damit verbundenen Gefahren und einem kurzzeitigen Angriff, der das Regime untergräbt und die terroristische Gefahr verringern sollte. Letzteres scheint das kleinere Übel zu sein."
"Magyar Nemzet": Rachedurst und Besonnenheit Zur Reaktion der US-Politik auf die Terroranschläge in den USA schreibt die konservative Budapester Tageszeitung "Magyar Nemzet" am Freitag: "Die Ansicht, dass die amerikanische öffentliche Meinung nach Rache dürstet und die Führung in Washington sehr schnell in eine spektakuläre Aktion treiben würde, ist weit verbreitet. Bisher zeigt sich jedoch glücklicherweise keinerlei übereiltes Handeln. (...) Die USA hielten sich, wenn auch zähneknirschend, damit zurück, in einer ersten Aufwallung massiv und wild zurückzuschlagen. Und das wiederum bedeutet bereits eine Niederlage für die Terroristen, denn sie hatten gehofft, dass übereilte Raketenangriffe der Amerikaner die Welt des Islam aufrütteln würden und die totale antiwestliche Stimmung, die solche Angriffe hätten aufflammen lassen, einen Zusammenstoß der Zivilisationen provoziert."
"De Telegraaf": Nötige Sanierung der Luftfahrt nicht verschieben Zu den jüngsten Bitten der Fluggesellschaften um staatliche Hilfen meint der niederländische konservative "Telegraaf" am Freitag: "Die Terroranschläge und ihre Folgen sind etwas Außerordentliches. Deshalb sind staatliche Hilfen zu vertreten. Allerdings müssen sie unter klaren Bedingungen gewährt werden. Die Hilfe muss zeitlich begrenzt sein, denn schließlich müssen die Gesellschaften wieder auf eigenen Beinen stehen. Und eine unehrliche Konkurrenz darf auch nicht entstehen. Wichtigste Voraussetzung ist aber, dass die Branche auch selbst ihre Probleme anpackt. Schon lange vor den Anschlägen steckte die internationale Luftfahrt tief in Problemen. Immer wieder wurde die so dringend erforderliche Sanierung der Branche verschoben. Die jetzt erwartete Unterstützung darf kein Grund dafür sein, die Sanierung weiter hinauszuzögern."
"Il Messaggero": US-Regierung uneinig über den Irak Nach der Rede von US-Präsident George Busch schreibt die italienische Zeitung "Il Messaggero" am Freitag: "Präsident Bush mobilisiert Amerika, ruft die Nation zur Einigkeit auf und bereitet sie auf einen langen Kampf sowie auf Opfer im Krieg gegen den Terrorismus vor. In seiner Rede vor dem Kongress, die von Millionen Menschen gesehen wurde, hat Bush versprochen, die direkten und indirekten Verantwortlichen für die Attentate sowie die Länder und Organisationen, die sie unterstützen, individuell auszumachen und zu bestrafen. Doch innerhalb der Regierung Bush gibt es Meinungsverschiedenheiten über die konkreten Ziele, die man treffen will, und dabei besonders über die Möglichkeit, jetzt die seit dem Golfkrieg 1991 offene Rechnung mit dem Irak zu begleichen. Sicher ist nur, dass der Krieg lang sein wird, fünf oder zehn Jahre nach den Worten des britischen Regierungschefs Blair, der dies angeblich heimlich bei Verbündeten angedeutet haben soll."
"Salzburger Nachrichten": Bin Laden baut auf seinen Mythos Die überregionale österreichische Tageszeitung "Salzburger Nachrichten" meint am Freitag, der als Drahtzieher der Anschläge in den USA verdächtige Osama Bin Laden sei noch selbst Herr seines Schicksals: "George W. Bush muss den Amerikanern zählbare Erfolge bieten. Einer davon kann nur sein, Bin Laden zu eliminieren oder in den USA vor Gericht zu bringen. Damit muss der Mann gerechnet haben, längst hätte er sich aus Afghanistan absetzen können. Auch wird ihm nicht verborgen geblieben sein, dass in der Talibanführung in den vergangenen Monaten die Anwesenheit seiner Kämpfer zunehmend für Unmut gesorgt hat. Doch die Vermutung drängt sich auf, dass er nach wie vor in der Lage ist, selbst über sein Schicksal zu bestimmen. Dass eine Auslieferung, unter welchen Umständen immer, nicht ohne seine Zustimmung möglich ist, ja: dass sie Teil seiner Strategie sein könnte. Osama Bin Laden stellt sich und bewahrt die Afghanen vor einem verheerenden US-Vergeltungsschlag - sein Mythos in gewissen Weltreligionen wäre ungebrochen."
"La Repubblica": Bush-Rede eine Kriegserklärung Zur Rede des US-Präsidenten George Busch meint die römische Zeitung "La Repubblica" am Freitag "Es gab gestern Abend keine Demokraten oder Republikaner, keine Wähler oder Nicht-Wähler Bushs, es gab aber eine einige Kraft, die Furcht einflößt, sowie eine Wut, die Bush, beseelt, der erst jetzt, in den Kratern von New York, zum Präsidenten geworden ist. Das war noch keine formelle Kriegserklärung, obwohl die Truppen, Kriegsschiffe und Flugzeuge - samt B-52-Bomber mit jeweils 30 Tonnen "aller Art von Waffen" an Bord - sich bereits in Richtung unbekannter Fronten bewegen. Aber es war eine ganz reale Kriegserklärung gegen die Regierungen und Staaten, die die "neue Mafia" beherbergen, ihr helfen oder sie beschützen."
"Wremja": Taliban können Bin Laden nicht mit Gewalt vertreiben Die Moskauer Tageszeitung "Wremja" kommentiert am Freitag die Anweisung der islamischen Rechtsgelehrten in Afghanistan, den saudischen Terroristen Osama Bin Laden zum Verlassen des Landes aufzufordern: "Die Taliban erklären, dass der Mann, den (US-Präsident) George W. Bush zum Feind Nummer eins erklärt hat, bereit ist, sich vor Gericht zu verantworten. Dies aber nur unter der Bedingung, dass die USA die Beweise liefern, die ihn des Terrorismus überführen. Diese Einschränkung ist für die USA völlig unannehmbar. Wahrscheinlich hängt die Unentschlossenheit der Führung in Kabul, die auch aus den Formulierungen der Anweisung spricht, auch damit zusammen, dass Bin Laden in Afghanistan einige Tausend fanatische Anhänger aus Arabien hat. Der Versuch, sie mit Gewalt aus dem Land zu vertreiben, würde großes Blutvergießen bedeuten."
"Die Presse": Fehlende Aufmerksamkeit für andere Probleme Die konservative österreichische Tageszeitung "Die Presse" warnt am Freitag davor, nach den Anschlägen in den USA die Probleme in anderen Krisenregionen aus den Augen zu verlieren: "Die Ereignisse in Mazedonien, am Balkan überhaupt, in Nordirland, in den europäischen Terrorgebieten wie dem Baskenland oder Korsika sind in dem Tornado aus Rauch und Schutt, der nach dem Einsturz des World Trade Centers in New York durch die Straßen fegte und die Stadt verdunkelte, einfach verschwunden. Die fehlende Aufmerksamkeit schafft die Probleme aber nicht aus der Welt. Das muss man zur Zeit akzeptieren."
"Le Monde": Weltweite Depression muss vermieden werden Die unabhängige französische Tageszeitung "Le Monde" schreibt am Freitag zur künftigen Wirtschaftsentwicklung nach den Terrorattacken in den USA: "Die Rezession ist unvermeidbar. Aber Ausmaß und Dauer sind unbestimmt. Alles wird vom militärischen Gegenschlag der Amerikaner abhängen, wann er erfolgt und welche Folgen er hat. Schon jetzt steigt die Zahl der Kündigungen, ein Zeichen für eine alarmierende Verschlechterung. American Airlines und United Airlines wollen jeweils 20 000 Mitarbeiter entlassen. Die US-Fluggesellschaften, denen es bereits sehr schlecht geht, erhalten Unterstützung, die man anderswo als Verstaatlichung bezeichnet würde. Diese Hilfen haben einen Preis und Sekundäreffekte, da sie die US- Firmen stärken, was man in Europa berücksichtigen muss. Aber in dieser dringlichen Lage muss man die USA ermutigen, alles zu tun, um eine Depression zu vermeiden, die sich weltweit ausbreiten würde."
"Iswestija": Moskau will zu Tschetschenien keine Kritik mehr hören Zu den Gesprächen zwischen den USA und Russland über eine gemeinsame Front gegen den Terrorismus schreibt die Moskauer Tageszeitung "Iswestija" am Freitag: "Durch Verteidigungsminister Sergej Iwanow hat Moskau Washington hinreichend genau zu verstehen gegeben, unter welchen Bedingungen es die Amerikaner in der bevorstehenden "Schlacht gegen den Terrorismus" unterstützen wird. In einem Telefonat mit Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice rief Iwanow die USA auf, beim Terrorismus nicht zweierlei Maß anzulegen. Übersetzt aus der Diplomatensprache heißt das: Ändern sie den Ton ihrer Stellungnahmen zu Tschetschenien - in der neuen Lage ist Kritik an Russland aus dem Munde der Amerikaner nicht angebracht."
"Basler Zeitung": Die Taliban sind gewiefte Taktiker Zur der Entscheidung der Taliban, dem mutmaßlichen Terroristen Osama Bin Laden die Ausreise nahe zu legen, schreibt die "Basler Zeitung": "Die Entscheidung der Mullahs, Osama Bin Laden die Ausreise nahe zu legen, erhärtet ein altes Sprichwort: Afghanen kann man nicht kaufen, nur mieten. Afghanistans und Pakistans Paschtunen wachsen mit "Pashtuwali" auf, dem Ehrenkodex ihres Volkes. Seine Sitten entstanden über Jahrtausende, sind nicht niedergeschrieben und durch die schroffen und menschenfeindlichen Berge ihrer Heimat geprägt. Aber wie jedes strenge Gesetzeswerk bietet der Ehrenkodex viele Möglichkeiten, die Regeln zu umgehen. Wer in dieser Umwelt aufwächst, wächst mit der Kunst des Verhandelns und Feilschens auf. Daran erinnert auch der Beschluss der afghanischen Mullahs im Falle Osama Bin Ladens."