Die Welt blickt auf George W. Bush. Jedermann spürt die Tragweite der Entscheidungen, die der amerikanische Präsident in diesen Tagen trifft, wenn er die Befehle zu Militärschlägen gibt und die strategischen Ziele im "Krieg gegen den Terrorismus" absteckt. Was diese Entscheidungen für den Weltfrieden bedeuten können, ist schier unermesslich. Mit seiner Rede vor beiden Häusern des Kongresses wollte Bush den Amerikanern, seit den Terroranschlägen zutiefst verunsichert, Entschlossenheit und Zuversicht demonstrieren.
Die Europäer, seit letzter Woche in Angst vor einem uferlosen Krieg, haben in der Rede des amerikanischen Präsidenten eher auf Zeichen der Besonnenheit gehofft. Und tatsächlich hat Bush versucht, den Befürchtungen entgegenzutreten, es beginne ein maßloser Kampf der Kulturen. Seine Würdigung des Islam als einer bedeutenden Weltreligion, sein Respekt für die Moslems in den USA und überall in der Welt waren wichtige Bestandteile seiner Rede.
Im beginnenden Kampf gegen den Terrorismus jedoch wirkte Bush entschlossen und kompromisslos. Welche militärischen Ziele die USA verfolgen werden, wie breit der Angriff angelegt ist und welche Staaten ins Visier genommen werden, all das blieb unklar.
Doch hat Bush die Leitlinien der amerikanischen Strategie definiert, er hat die neue amerikanische Weltsicht beschrieben, die von nun an für Jahre, vielleicht für Jahrzehnte das politische Denken der Supermacht bestimmen wird: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Wer nicht auf unserer Seite steht, steht auf Seiten der Terroristen und ist unser Feind. Das ist die neue, schnörkellose Sichtweise, es ist die Bush-Doktrin.
So wie die Terroristen mit ihren Anschlägen den Krieg neu definiert haben, so erweitert nun auch Bush das Feindbild: Wer Terroristen unterstützt, macht sich selbst zum Terroristen und wird als solcher behandelt. Man muss sich nur vor Augen halten, dass Dutzende Staaten in der Welt Terroristen unterstützen, um zu verstehen, wie weitreichend die neue Doktrin ist.
Doch nach den verheerenden Terroranschlägen in New York und Washington scheint sie, bei allen Ängsten, die sich damit verbinden, im Kern richtig und konsequent. Man mag einwenden, dass das, was in der Theorie überzeugend klingt, in der Praxis schwer vorstellbar ist. Ein Krieg mit all den Ländern die Terroristen unterstützen, zum Beispiel mit Afghanistan, Pakistan, Irak, Iran, Syrien, Sudan, ist eine Aufgabe, an der selbst die amerikanische Militärmacht scheitern würde. Anders gesagt: Man kann den Terroristen weltweit den Krieg erklären, doch führen kann man ihn immer nur auf begrenztem Terrain. Das weiß auch Bush.
Es wäre illusorisch zu glauben, dass man den Terrorismus binnen weniger Monate oder Jahre vollständig ausrotten könnte. Doch allein die glaubhafte Drohung gegen alle, die sich zu Helfern der Terroristen machen, wird Wirkung zeigen.
Die militärischen und politischen Risiken des breit angelegten Kampfes gegen den Terror sind offensichtlich. Doch die Alternative wäre noch bedrückender: Ein Rückzug in die immer höheren Mauern innerer Sicherheit, ein Leben mit Angst und Bedrohung, die Akzeptanz des Terrors als Teil der modernen Welt.
© Kölner Stadtanzeiger