"Trouw": Angst vor Gewaltspirale darf Vorgehen nicht bestimmen Über Angst vor einer Überreaktion der USA auf die Terroranschläge schreibt die niederländische christliche "Trouw" am Montag: "Wir haben es hier mit terroristischen Organisationen zu tun, die sich nicht um das Recht kümmern, und wir haben es mit Ländern zu tun, die diesen Gruppen Unterschlupf und Unterstützung gewähren. Zudem geht es um Anschläge, die die Wirtschaft unter Druck setzen, mit weit reichenden Folgen gerade für die Ärmsten in der Welt. Wenn man dagegen auftritt, darf das nicht in eine Spirale der Gewalt münden. Aber es wäre mindestens ebenso katastrophal, wenn Angst davor den Willen untergraben würde, gegen die Terroristen vorzugehen."
"The Times": Gewaltige Streitmacht Die konservative britische Zeitung "The Times" schreibt am Montag zur internationalen Koalition gegen den Terrorismus: "Ebenso wie im Golfkrieg erwarten moslemische Regierungen, dass Washington anschließend bei der Lösung dessen hilft, was sie als Ursache des Terrorismus betrachten - der schwelenden Unruhe im Nahen Osten. Es war für die US-Regierung nicht hilfreich, dass Ariel Scharon Friedensgespräche mit den Palästinensern verboten hat. Es wird auch nicht hilfreich sein, wenn Schimon Peres angesichts der ernsthaften Beschädigung seiner eigenen Glaubwürdigkeit erneute Hinweise auf ein Verlassen der israelischen Regierungskoalition gibt. Scharon will verhindern, dass Jassir Arafat als Teil einer großen Koalition gegen den Terrorismus akzeptiert wird. Das amerikanische Interesse liegt darin, alle einzuschließen, die dazu und zu den amerikanischen Bedingungen bereit sind. Bisher haben die USA eine gewaltige globale Streitmacht geschmiedet. Entscheidend ist nun, wie und wo sie zum Kampf eingesetzt wird."
"La Vanguardia": Taliban so frauenfeindlich wie die Nazis Zur Stellung der Frauen unter dem Taliban- Regime in Afghanistan schreibt die spanische Zeitung "La Vanguardia" (Barcelona) am Montag: "Die deutschen Nazis verhielten sich gegenüber den Frauen wie echte Tyrannen. Die Taliban stehen ihnen in nichts nach. Einige werden jetzt sagen, dass ein Sturz des Regimes in Kabul den Vorteil hätte, dass die afghanischen Frauen von dem Joch befreit würden. Die UN stuften Afghanistans Sittenwächter als die schlimmsten Frauenfeinde der Welt ein. Die USA haben sich darum bislang nicht gekümmert und das Monstrum der Taliban im Gegenteil noch großgezogen. Eine Frauenstiftung in den USA macht Washington seit Jahren für die elende Lage der afghanischen Frauen mitverantwortlich. Es mussten erst ein paar Psychopathen das World Trade Center zum Einsturz bringen, bis man sich der unterdrückten Frauen in Afghanistan erinnert."
"The Financial Times": Falsche Politik auch zu Krisenzeiten falsch Die britische Wirtschaftszeitung "The Financial Times" meint am Montag zu den konjunkturellen Folgen der Terrorangriffe auf die USA: "Die Länder der Eurozone sollten die derzeitige Krise weder als Entschuldigung für strukturelle Steuersenkungen noch für Ausgabensteigerungen benutzen. Und die EU-Kommission sollte keinerlei Strafen verhängen, wenn die Haushaltsdefizite aus konjunkturellen Gründen die Drei-Prozent-Grenze überschreiten. Auch die internationale Wirtschaftspolitik hat Grenzen. Eine Zusammenbrechen der Schuldentilgung in der Türkei oder Argentinien muss jetzt vermieden werden, weil die Ansteckungsgefahr extrem hoch ist. Der IWF muss bereit sein, ausreichend Liquidität zur Verfügung zu stellen. Aber in ein paar Wochen, wenn die Märkte sich beruhigt haben, müssen solche zeitlich unbefristeten Aktionen vermieden werden. Die Politiker steht unter enormem Druck, entscheidend zu handeln. Damit wächst die Gefahr von Schnellschüssen aus der Hüfte. Die Politik muss einige scheinbar attraktive Wege, der Wirtschaft zu helfen, vermeiden. Eine falsche Politik bleibt auch zu Krisenzeiten falsch."
"Algemeen Dagblad": Kein Pardon möglich Über Mahnungen an die USA vor einer eventuellen Überreaktion meint das niederländische unabhängige "Algemeen Dagblad" am Montag: "In einer Demokratie müssen Menschen ihren Standpunkt ausführlich darlegen können, aber die jetzt entstandene Situation lässt eigentlich keinen Raum für unverbindliche Betrachtungen. Die von Terroristen ausgehende Feindschaft - gleichgültig welche Ideologie oder Religion sie angeblich vertreten - richtet sich ja praktisch gegen die gesamte Menschheit. Die internationale Liste von Toten aus den verwüsteten Zwillingstürmen von New York ist der deutlichste Beleg dafür. Es bleibt sehr schwierig, die angemessene Antwort zu finden, aber Pardon kann es nicht geben. Nichtstun ist keine vertretbare Möglichkeit."
Berlingske Tidende: Staatshilfe für Luftfahrt nur Übergangslösung Die konservative dänische Tageszeitung "Berlingske Tidende" (Kopenhagen) meint am Montag zu staatlichen Hilfen für Fluggesellschaften nach den Terroranschlägen in den USA: "Der Terrorangriff in den USA war auch ein Angriff auf die globale Wirtschaft. (...) Die Unruhe auf den Märkten darf aber nicht zu Paniklösungen führen, die mehr schaden als nützen. Leider haben die USA die Staatskasse für Fluggesellschaften als Hilfe für akute Probleme geöffnet. Dieses Modell sollte die EU nicht kopieren. Allerdings musste sie nach Warnungen europäischer Fluggesellschaften vor Einstellung des Verkehrs wegen geänderter Versicherungsbedingungen mit Garantien einschreiten. (...) Aber Staatsgarantien dürfen nur eine Übergangslösung sein. Die kommerzielle Luftfahrt muss ohne direkte oder indirekte öffentliche Hilfe zurecht kommen. Und Versicherungsprämien müssen zwangsläufig das Risiko widerspiegeln. Statt eines staatlichen Engagements bei den Versicherungsprämien muss eine langfristige Lösung in Richtung verstärkter öffentlicher Verantwortung für mehr Sicherheit im Flugverkehr gehen, wie der Staat ja auch die Sicherheit des Straßennetzes überwacht."
"La Croix": Gott und die in Seinem Namen verübten Verbrechen Zu den Terror-Anschlägen in den USA und Verbrechen im Namen Gottes schreibt die französische katholische Tageszeitung "La Croix" (Paris) am Montag: "Das Geheimnis des Bösen ist noch weniger zu durchschauen, wenn man zu der Erkenntnis kommen muss, dass Menschen im Namen Gottes töten. Das scheint bei den Anschlägen in den USA der Fall zu sein. Die Versuchung, aus diesem Grund zu töten, ist dabei leider nicht neu, und die Geschichte der Christenheit umfasst auch einen Anteil an Schrecken, ausgeübt unter einer Maske der Heiligkeit. Es ist aber genau diese Geschichte, die es den Christen ermöglichen muss, unter den Ersten zu sein, die dieses ausrufen: Gott ist nicht der Urheber jener Verbrechen, die angeblich in Seinem Namen begangen werden."
"TagesAnzeiger": Rückkehr der Politik Zu den innenpolitischen Diskussionen nach den Attentaten in den USA schreibt am Montag der Zürcher "TagesAnzeiger": "Die Terroranschläge vom 11. September haben, so scheint es, zu einem schlagartigen Bewusstseinswandel geführt: Liebe zum Vaterland ist wieder des Bürgers erste Pflicht, Politiker haben den Status von Respektspersonen zurückgewonnen. Diese Rückkehr der Politik ist mehr als nur eine Anreihung symbolhafter Handlungen. Sie wird die weitere Entwicklung der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts prägen. Der Staat wird an Macht gewinnen, sei es als Retter in höchster Not,..., sei es als Garant für mehr Sicherheit. Damit verbunden sind größere Ausgaben für Militär und Polizei, die auch einen größeren Anteil der Forschungsausgaben verschlingen werden. Darunter wird das Wirtschaftswachstum leiden, höhere Sozialausgaben werden die Folge sein. Dies wiederum wird nationalistische Parteien stärken und die Einwanderung von Arbeitskräften aus dem Ausland erschweren. In der kurzen Blütezeit der Globalisierung haben sich viele ein Comeback der Politik gewünscht. Sie hatten genug von Börsenboom, Spaßgesellschaft und der obszönen Darstellung des neuen Reichtums."
"Wedomosti": Russland hat bessere Verbündete Zu der öffentlich erklärten Unterstützung Russlands für die innerafghanische Opposition, die Nordallianz, schreibt die Moskauer Tageszeitung "Wedomosti" am Montag: "Der Kreml hat erkannt: Russland muss sich nicht nur auf den Krieg vorbereiten, es muss daran teilnehmen - als ein Land, das den USA eigene Positionen und Möglichkeiten vorschlagen kann ... Natürlich umfasst der weltweite Terrorismus mehr als die Taliban. Doch diese sind ein wichtiger Teil des radikalen Islamismus, und ein Krieg mit der Bewegung ist unausweichlich. Die USA haben in diesem Krieg nur einen sehr unzuverlässigen Partner, nämlich Pakistan, das die Taliban lange Jahre gefördert und auf seinem eigenen Gebiet viele ihrer Anhänger hat. Russland hat einen zuverlässigen Partner, die Nordallianz. Mit so einem Partner an der Seite muss man nicht einmal selbst kämpfen. Es reicht, ihn mit den notwendigen Waffen und Geldern zu versorgen."
"Le Figaro": Bin Laden will zurück ins Paradies der Kalifen Über die möglichen Motive des mutmaßlichen Terror- Drahtziehers Osama Bin Laden schreibt die konservative französische Tageszeitung "Le Figaro" (Paris) am Montag: "Indem er die "blinde" amerikanische Unterstützung Israels im Kampf gegen die Palästinenser anprangert, hat Osama Bin Laden den besten Weg gefunden, um seine Fremdenlegion aus arabischen Moslems anzuwerben. Seine langfristigen Kriegsziele sind exotisch, aber doch logisch. Osama Bin Laden denkt mit Nostalgie an die goldene Zeit des Islam, als Damaskus und Cordoba Mathematiker, Dichter und Künstler hervorbrachten. Kaiser und Kalifen, die Chefs der Gemeinschaft der Gläubigen, machten die Größe der Dynastie der Omajjaden und der Abbasiden aus. Bin Laden träumt davon, das Kalifat neu zu errichten."
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