Anschläge auf World Trade Center und Pentagon

Infopaket Nr. 13: Pressestimmen vom 25.09.2001

Dienstag, 25. September 2001

PRESSESCHAU - 25.09.: Versuchung nach Rache widerstehen

"Corriere della Sera": US-Angriffe könnten mehr schaden als nützen Die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" schreibt am Dienstag über die Angriffspläne der USA gegen die islamischen Terroristen: "Die goldene Regel der Kriegskunst und jeder Schlacht besagt, dass man nie den Zug machen darf, den der Gegner sich wünscht, den der Gegner erwartet. Die Amerikaner verfolgen zwei Absichten: Die Schuldigen zu bestrafen und sich vor künftigen Angriffen besser zu schützen. Das zweite Ziel - das terroristische Netz, das sich unter uns eingenistet hat, zu entdecken und zerstören - ist das weitaus wichtigere. Aber dies verlangt Zeit und Geduld. Daher ist jener nach Bestrafung der unmittelbare und am stärksten gefühlte Wunsch. Aber bestrafen bedeutet auch, sich in ein Minenfeld zu begeben. (...) Falls der US-Angriff nicht genau gezielt und eingegrenzt sein wird, könnte er mehr schaden als nützen. Israel ist eine Lehre. Die Vergeltung, die Kinder, Frauen und Zivilisten tötet, ist kontraproduktiv und vervielfältigt den Hass und den Terrorismus. Das ist die Vergeltung, die sich die Terroristen wünschen".

"El Pais": Sperrung von Konten kommt viel zu spät Zur Sperrung der Konten von Privatleuten und Organisationen in den USA, die mit dem Terrorismus in Verbindung stehen sollen, schreibt die linksliberale spanische Zeitung "El Pais" (Madrid) am Dienstag: "Die Sperrung der Konten ist ein logischer Schritt, aber er kommt viel zu spät. Das zeigt wieder einmal, wie sehr die Geheimdienste in den USA versagt haben. US-Präsident George W. Bush warnte, dass die Staaten, die nicht kooperieren, mit den USA keine Geschäfte mehr machen können. Dies ist paradox. Bisher war es nämlich immer Washington gewesen, das sich systematisch geweigert hatte, die Steuerparadiese mit Hilfe von internationalen Übereinkommen zu mehr Transparenz zu zwingen. Solche bindenden Verträge sind notwendig, um die verzweigten Netze des organisierten Verbrechens von der Geldzufuhr abzuschneiden. Dies ist eine weitere Lektion, die die USA lernen müssen."

"La Croix": Amerika sollte Versuchung nach Rache widerstehen Die katholische Tageszeitung "La Croix" schreibt am Dienstag über den erwarteten amerikanischen Gegenschlag gegen den Terrorismus: "Seit zwei Wochen bitten die Europäer Amerika, der Versuchung nach Rache zu widerstehen. Die Amerikaner sollten den Terroristen eine Lektion in Sachen Kaltblütigkeit erteilen, indem sie Entschlossenheit und Klugheit, Sanktionen und Vorbeugung, Reaktionsfähigkeit und Sinn für eine langfristige Aktion mit einander verbinden und wohl dosiert einsetzen. Auf diese Weise würde Amerika einen neuen Beweis für die Überlegenheit einer Demokratie über Fanatiker zeigen, die ihr mörderisches System auf Instinkt- Handlungen, Hass, Machismo und Angst gründen. Die Antworten auf den Angriff vom 11. September werden zeigen, wie die Völker dieser Welt die Werte der Zivilisation bewerten. Es gab eine Zeit vor dem 11. September. Bald kommt die Zeit nach dem Gegenschlag. Und da sitzen wir alle im gleichen Boot".

"Basler Zeitung": Rettungsaktion ist überlebensnotwendig Zu den Sanierungsplänen für die Schweizer Fluggesellschaft Swissair schreibt die "Basler Zeitung" am Dienstag: "Die Dramatik in der Airline-Branche im Gefolge der Terroranschläge in den USA hat einen neuen Höhepunkt erreicht, dies mit nationalem und neu mit lokalem Bezug. Die Swissair Group, entblößt von Reserven und erdrückt von einem Schuldenberg, steht knapp vor dem Aus. In wilder Entschlossenheit wird eine politikgestützte Rettungsaktion ins Leben gerufen, dies mit der gleichzeitigen Garantie der Swissair-Verantwortlichen, das eigene Haus radikal aufzuräumen. Das ist nicht nur unvermeidlich, das ist überlebensnotwendig. Sogar die Betroffenen scheinen in ersten Stellungnahmen dafür ein gewisses Verständnis zu zeigen. Das für Swissair völlig unübliche Tempo, welches jetzt vorgelegt wird, lässt nur einen Schluss zu: Es war allerhöchste Zeit, wenn nicht gar zu spät."

"Wremja MN": Putin will mit aller Kraft die Terroristen bekämpfen Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich in der Frage der internationalen Terrorismusbekämpfung gegen Widerstände im eigenen Land durchgesetzt, kommentiert die in Moskau erscheinende Tageszeitung "Wremja MN" am Dienstag: "In den letzten Tagen liefen äußerst widersprüchliche Nachrichten aus Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenien über den Ticker. Sind die Amerikaner dort bereits mit ihren Truppen und Waffen gelandet oder nicht? Zumindest ist klar geworden, dass Präsident Putin bereit ist, mit allen Kräften die internationale Operationen im Kampf gegen den Terrorismus zu unterstützen. In Putins Umfeld teilen nicht alle dessen Meinung. Das Vorgehen des Staatschefs widerspricht den Ankündigungen hoher Militärs, die noch vor kurzem die Bereitstellung von Stützpunkten oder die Freigabe des Luftraums für völlig ausgeschlossen hielten."

M E N S C H E N R E C H T S - A N W A L T R O T H

"Bin Ladens Paramilitärs wären legitime Angriffsziele"

Der 46-jährige Kenneth Roth ist Direktor der Menschenrechts-Organisation Human Rights Watch in New York. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview appeliert Roth an die US-Regierung, bei der Jagd nach Terroristen das Völkerrecht zu achten.

SPIEGEL ONLINE: Wo waren Sie, als Sie die Nachricht von dem Anschlag erfuhren?

Roth: Ich saß hier im Konferenzraum. Jemand in der Sitzung schaute gerade aus dem Fenster, und dann haben wir alle zugesehen, zusehen müssen.

SPIEGEL ONLINE: Wäre es besser, auf militärische Mittel zu verzichten und mit juristischen Mitteln gegen Bin Laden vorzugehen?

Roth: Wir würden selbstverständlich gern ein Gerichtsverfahren gegen Bin Laden sehen. Ich glaube es wäre das beste für die Welt, wenn er vor Gericht gestellt und einen fairen Prozess bekommen würde. Das wäre besser als wenn er nach irgendeiner Spionage-Aktion oder durch einen Raketentreffer getötet würde.

SPIEGEL ONLINE: Die Chancen für ein Gerichtsverfahren in Afghanistan oder eine Auslieferung stehen schlecht. Was hielten Sie von einer Lösung wie im Fall des Nazis Eichmann - der israelische Geheimdienst hatte ihn in Argentinien gekidnappt, um ihn dann in Israel vor Gericht zu stellen.

Roth: Nun, wir werden uns hier nicht hinstellen und eine Entführung vorschlagen. Das Problem ist, dass es in Afghanistan kein faires Strafjustizsystem gibt. Und wenn Afghanistan nicht bereit ist, die Forderung nach Auslieferung Bin Ladens zu erfüllen, dann könnte die USA durchaus entscheiden, militärisch einzugreifen - als letzte Option.

SPIEGEL ONLINE: Wie würde sich Ihre Organisation in diesem Fall verhalten?

Roth: Es wäre nicht an Human Rights Watch, eine solche Entscheidung zu kritisieren, sondern die Folgen zu überwachen. Beim Einsatz militärischer Gewalt müssten wir darauf achten, dass nicht gegen Normen des Völkerrechts verstoßen wird.

SPIEGEL ONLINE: Bush will Bin Laden "tot oder lebendig" - das klingt eher nach einem John-Wayne-Western als nach internationalem Völkerrecht.

Roth: Wir haben die Regierung Bush vehement aufgefordert, auch künftig auf die gezielte Exekution von Feinden im Ausland zu verzichten. Solche Aktionen sind auch durch internationales Recht eindeutig verboten. Trotzdem wird in Washington derzeit darüber diskutiert, ein Gesetz abzuschaffen, dass dies verbietet.

SPIEGEL ONLINE: Das Problem bei Bin Laden scheint doch aber zu sein, dass seine Organisation al-Qaida nicht so leicht in die Kategorien Militär oder Zivilisten eingeordnet werden kann.

Roth:In Afghanistan ist es offensichtlich, dass die so genannten "arab forces", zu denen bin Ladens Truppe gehört, eng vernetzt sind mit dem Militär der Taliban. In Wahrheit stammen einige der besten Kämpfer der Taliban aus den Reihen der "arab forces", und sie werden oftmals direkt an die Front abkommandiert. Das heißt: Wenn es einen Krieg mit den Taliban geben sollte, dann würde ein Angriff des Taliban-Militärs automatisch auch ein Angriff auf Bin Ladens Kämpfer bedeuten.

SPIEGEL ONLINE: Wir würden Sie Bin Ladens Truppe charakterisieren?

Roth: Wenn man sich die Fakten anschaut, muss man sagen: In Afghanistan ähnelt Bin Ladens Organisation einer paramilitärischen Gruppe, die mit der offiziellen Armee eng verbunden ist. Wenn es also zu einem Krieg gegen die Taliban kommen sollte, und Bin Ladens Paramilitärs gemeinsam mit den offiziellen Truppen kämpfen würden, dann wären sie legitime Angriffsziele.

SPIEGEL ONLINE: Die USA planen aber bekanntlich einen weltweiten Feldzug gegen den internationalen Terrorismus. Wären Bin Ladens Truppen auch in anderen Staaten legitime Ziele des US-Militärs?

Roth: Außerhalb Afghanistans und außerhalb eines militärischen Konflikts operiert al-Qaida vor allem als kriminelles Unternehmen - vergleichbar einem Drogenkartell - in diesem Fall sind die Strafbehörden zuständig.

Das Interview führte Carolin Emcke Plötzliche Einsicht: US-Regierung bezahlt ihre Uno-Schulden ---------------------------------------------------------------------

Um der Terror-Gefahr zu begegnen, sind die USA auf weltweite Unterstützung und die Kooperation innerhalb der Uno angewiesen. Diese Einsicht erzwang nun eine überraschende Wende der US-Politik: Die Bush-Regierung wird umgehend seit Jahren ausstehende Uno-Beiträge in Höhe von einer halben Milliarde Dollar bezahlen.

Washington Ganze 1,1 Milliarden Dollar kostet die Uno-Verwaltung jährlich, eine vergleichsweise bescheidene Summe, gemessen an den vielfältigen Initiativen, die von der Uno-Zentrale in New York ausgehen. Trotzdem streiten US-Regierung und -Parlament schon seit mehr als zehn Jahren mit der Uno um Amerikas Beiträge zum Budget der Weltorganisation.

Mal verunglimpften US-Politiker sie als nutzlose und teure Bürokratie, mal beschuldigten nationale Eiferer die globale Politik-Koordination der Uno-Organisationen als Angriff auf die Souveränität der USA. Und stets fand sich eine Mehrheit in einer der beiden Kammern des US-Kongresses, die zumindest einen Teil der amerikanischen Beiträge zum Uno-Etat blockierte. Über 800 Millionen Dollar Schulden liefen so auf.

Das soll jetzt anders werden. Im Angesicht der Terror-Katastrophe und der Notwendigkeit weltweiter Zusammenarbeit haben die Uno-Gegner beider Parteien im Kongress den Weg zur Zahlung der ausstehenden Beiträge freigemacht. Mit einem einstimmigen Votum erteilte am Montag das Repräsentantenhaus die Freigabe zur Zahlung einer Tranche in Höhe von 582 Millionen Dollar.

"Die Vereinigten Staaten können nicht allein handeln und erwarten, im schmerzhaften und lang dauernden Kampf gegen den Terrorismus Erfolg zu haben , erklärte der kalifornische Abgeordnete der Demokraten, Tom Lantos, für den Auswärtigen Ausschuss. Die Uno würde "eines der wichtigsten Foren für die US-Diplomatie in dieser Angelegenheit sein , begründete Lantos das Votum. "Jeden Tag, an dem wir es versäumen, unsere Schulden zu bezahlen, machen wir diese Arbeit schwieriger , erklärte auch der Abgeordnete Christopher Shays für die Fraktion der Republikaner.

Die nun freigegebene Zahlung ist die zweite von insgesamt drei Raten, deren Überweisung an die Uno-Kasse eigentlich längst beschlossene Sache war. Schon vergangenes Jahr hatten die Uno-Mitglieder dem amerikanischen Druck nachgegeben, die US-Beiträge zum Verwaltungs-Etat von 25 auf 22 Prozent, die für Friedensmissionen von Uno-Blauhelm-Truppen von 31 auf 26,5 Prozent zu senken. Eine erste Tilgungsrate in Höhe von 100 Millionen Dollar leistete die US-Regierung daraufhin sofort. Doch die für dieses Jahr vorgesehene zweite Rate war bislang blockiert, weil die republikanische Fraktion unter Führung des Abgeordneten Tom DeLay die Forderung erhob, die Uno müssten einen formalen Beschluss fällen, dass US-Bürger grundsätzlich nicht vor dem Internationen Strafgerichtshof angeklagt werden dürfen. Die USA waren der Uno-Konventionen zur Installierung des Gerichtshofs nicht beigetreten.

Offen ist nun, ob die USA die für kommendes Jahr anstehende dritte Rate in Höhe von 244 Millionen Dollar zahlen werden. Das Abgeordneten-Haus hatte den entsprechenden Haushaltstitel bis auf weiteres eingefroren, nachdem die Mehrheit der Uno-Staaten den USA ihren Sitz in der Uno-Menschenrechtskommission entzogen hatten.

Harald Schumann

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US-Strategie in Afghanistan: Die Option Umsturz ---------------------------------------------------------------------

Außenminister Powell dementiert noch, aber die Anzeichen verdichten sich, dass die US-Regierung die Beseitigung des Regime der Taliban in Afghanistan anstrebt. Dabei sollen deren innerafghanische Gegner eine Schlüsselrolle übernehmen.

Berlin/Washington Das Dilemma könnte kaum größer sein: Wie kann die afghanische Basis der islamistischen Terror-Internationale stillgelegt werden, ohne dass die US-Armee eine Invasionskrieg führen muss, der viele tausend Opfer fordert? Wie können die afghanischen Unterstützer des Bin Laden-Netzwerks entmachtet werden, ohne durch eine amerikanische Besatzerarmee den gleichen pan-islamischen Widerstand zu provozieren, wie ihn einst die russischen Invasoren hervorriefen?

Als Condoleeza Rice, George Bushs Sicherheitsberaterin, am Sonntag in einem Fernseh-Interview beiläufig erwähnte, dass die Beseitigung des Taliban-Regimes durchaus im Kalkül von Washingtons Strategen liege, traf das bei Colin Powell, dem Chefdiplomaten der Bush-Regierung, unüberhörbar einen empfindlichen Nerv. Dies sei nicht eines unserer Ziele , stellte er eilig klar, und das ist verständlich. Denn Powell muss, das ist sein Auftrag, um jeden Preis die Regierungen Pakistans und Saudi-Arabiens wohlgesonnen stimmen.

Die zu schmiedende Allianz kann auf diese beiden Schlüsselstaaten nicht verzichten, weil von dort bislang die stärkste Unterstützung für das Bin Laden-Netz ausging. Nur dort kann diese Wurzel des Terror-Netzes auch wieder gekappt werden. Jeder Anschein einer wirklichen US-Invasion würde aber den ohnehin wachsenden Widerstand gegen die Regenten in Riad und Islamabad noch anheizen. Man solle einen Krieg großen Ausmaßes daher nicht einmal in Betracht ziehen , versicherte Powell.

Doch einen solchen Krieg haben Rice und ihre Planer vermutlich gar nicht im Sinn. Vielmehr deutet vieles darauf hin, dass die US-Strategen in Afghanistan einmal mehr auf die gleiche Karte setzen wollen, die sie einst im Kalten Krieg gegen das Marionetten-Regime der Sowjets in Kabul spielten: Widerstand von innen.

Schon um die Staaten der Region zu beruhigen, so berichtete am Montag die New York Times , müsse die US-Regierung rechtzeitig eine politische Alternative zur Taliban-Regierung entwickeln. Zu diesem Zweck unternehme sie große Anstrengungen, eine innerafghanische Allianz gegen die Taliban aufzubauen. Diese könnte sehr nützlich sein, wenn sie zusammenhält , kommentierte Senator Carl Levin, Vorsitzender des Militärausschusses im US-Senat, das Unterfangen, das die Regierung ausgewählten Kongress-Mitgliedern bei einer internen Unterrichtung vorstellte. Weil es früher stets Streit zwischen den verschiedenen Taliban-Gegnern gegeben habe, werde es allerdings einer besonderen Anstrengung bedürfen, solche Differenzen künftig zu überwinden, fügte Levin einschränkend hinzu.

Um jeden Preis zu vermeiden seien jedenfalls alle Aktionen, die die Afghanen im Kampf für Bin Laden und gegen ausländische Besatzer vereint , riet auch der Südasien-Experte Karl Inderfurth, der zu Zeiten der Clinton-Regierung im Außenministerium für die Region zuständig war.

Dabei setzen Bush und seine Strategen naturgemäß zunächst auf die so genannte Nordallianz, jenen bisher von den Taliban in Schach gehaltenen Verbund der usbekischen und tadschikischen Minderheiten im Norden des Landes, denen sich eine ganze Anzahl weiterer Taliban-Gegner angeschlossen haben. Deren militärischer Führer, General Massud fiel zwar vor zwei Wochen einem Attentat zum Opfer, das Bin Laden-Kriegern zugeschrieben wurde.

Gleichwohl versuchen die Rebellen-Truppen weiterhin ihre militärische Potenz zu beweisen und liefern sich seit Tagen heftige Kämpfe mit den Taliban-Milizen. Dabei drangen sie bis auf rund 50 Kilometer nördlich von Kabul vor, berichtete der Fernsehsender CNN. Die Bush-Administration plane nun, die Rebellen-Armee finanziell zu stützen, schreibt die New York Times . Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sprach bereits offen von einer künftigen Zusammenarbeit mit der Nordallianz. Diese Leute kennen die Lage vor Ort, sie kennen die nützlichen Ziele, sie haben Vorstellungen, wie mit den Taliban umzugehen ist , sagte Rumsfeld.

Paschtunen-Führer suchen Kontakt zur US-Regierung

Allein auf die ethnischen Minderheiten im Norden wollen Rumsfeld und Rice aber nicht setzen. Zugleich haben sie begonnen, auch Verbindungen zu Stammesführern des Volkes der Paschtunen aufzubauen, die den Süden Afghanistans und Pakistans bevölkern. Zwar sind auch die meisten Taliban-Krieger paschtunischer Herkunft. Aber es gebe trotzdem Stämme und Führer, die sich von sich aus an uns wenden , berichtete einer der beteiligten US-Beamten.

Dabei sei die Hoffnung, dass so mancher hochrangige Gotteskrieger zusammen mit seinen Soldaten die Seiten wechselt, keineswegs abwegig, meint Rumsfeld. Einige Taliban sagen, es könnte unangenehm werden, diese Leute zu stützen , behauptete Rumsfeld zu wissen. Behält er Recht, dann ist ein Umsturz in Kabul durch die Afghanen selbst die wohl aussichtsreichste Option beim neuen Grauen Krieg gegen den Terror.

Taliban-Gegner treffen sich beim greisen Ex-Monarchen in Rom

Als Lockmittel für eine Beteiligung am Widerstand könnten die US-Strategen eine Beteiligung an einer später zu installierenden Regierung versprechen. Dabei soll der einstige afghanische König, der 86-jährige Mohammad Sahir Schah, noch einmal eine Rolle als symbolische Leitfigur spielen. Auf Initiative der Amerikaner werden diese Woche Abgesandte der verschiedensten Gruppen und Stämme mit dem greisen Ex-Monarchen in seinem Exil-Ort Rom zusammentreffen, berichtete dessen Enkel Mustafa Sahir. Sein Großvater diene aber nur als Anlaufpunkt und wolle keineswegs die Monarchie wieder errichten versicherte er.

Eine Uno-Verwaltung für Afghanistan?

Mit der Förderung einer afghanischen Anti-Taliban-Allianz lässt es die US-Regierung bei ihren Planungen aber offenbar nicht bewenden. Wohlwissend um die unheilige Tradition der afghanischen Stammeskämpfe und die wenig demokratischen Ansichten der jeweiligen Führer, ziehen die Anti-Terror-Planer wohl auch eine internationale Verwaltung Afghanistans in Erwägung.

Darauf deutet eine US-Initiative hin, über die der britische Guardian bereits am Freitag berichtete. Demnach holt die Bush-Administration derzeit bei befreundeten Regierungen deren Meinung über ein Post-Taliban-Afghanistan nach der Befreiung des Landes ein, zitierte das Blatt aus dem vertraulichen Bericht eines europäischen Diplomaten in Washington.

Dabei werde auch über eine mögliche Interims-Verwaltung gesprochen, bei der die Vereinten Nationen eine Rolle spielen sollen. Käme es soweit, wäre dies angesichts der traditionellen US-Abneigung gegen die Uno allerdings eine erstaunliche Wende. Offenbar gehe es um einen großen Wandel der US-Politik , zitierte der Guardian einen der beteiligten Diplomaten. Harald Schumann

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COMPUTERVIREN

Der Virus zum Attentat?

Ein neuer Computer-Virus tarnt sich als Umfrage zum Kampf der USA gegen den Terrorismus. Der Virus mit dem Namen "Vote" (Wahl) erscheint mit der Betreff-Zeile "Peace between America and Islam" (Frieden zwischen Amerika und dem Islam). Im Volltext heißt es: "Hi. Ist es ein Krieg gegen Amerika oder gegen den Islam!? Lasst uns abstimmen, damit wir in Frieden leben." Computer-Experten in den USA warnten vor einer Löschung infizierter Festplatten. Der Virus befiel zunächst Nutzer des E-Mail-Programms Outlook von Microsoft, wie die Software-Sicherheits-Firma Computer Associates International mitteilte.

Die Schäden Der Vote-Virus verursacht folgende Schäden:

* Er verschickt sich selbst an alle Einträge im Adressbuch von Outlook. Dadurch wird der Datenverkehr stark erhöht.

* Er durchsucht die Festplatte des infizierten Rechners nach HTML-Dateien und überschreibt sie mit dem Text: "AmeRiCa ...Few Days WiLL Show You What We Can Do !!! It's Our Turn >>> ZaCkEr is So Sorry For You."

* Er löscht das Windows-Verzeichnis und sucht nach typischen Verzeichnissen von Anti-Virensoftware, um diese zu löschen.

* Er sorgt dafür, dass beim nächsten Neustart die Festplatte formatiert wird.

So können Sie sich schützen Das Gefährliche an diesem Virus ist der Dateianhang WTC.exe. Wird dieser nicht doppelt angeklickt oder vom Mail-Programm automatisch ausgeführt, reicht die alte Regel aus: Mails mit unbekannten Dateianhänge gehören sofort in den Müll. Ansonsten sollte der Virenscanner auf den neuesten Stand gebracht werden. Sollte der Rechner schon infiziert sein, empfehlen die Experten von heise.de folgendes:

Außerdem modifiziert der Virus die autoexec.bat, sodass beim nächsten Booten die Partition c: reformatiert wird. Wer also die Datei WTC.exe versehentlich ausgeführt hat, sollte unbedingt bevor er den Rechner ausschaltet, folgende Anweisungen aus der Datei C:\autoexec.bat entfernen:

echo Y | format C

Ist der Rechner bereits ausgeschaltet, sollte man von einer sauberen Diskette oder CD-ROM booten, um diese Zeile zu löschen und das Formatieren der Festplatte zu verhindern.

Nicht so gefährlich wie Nimda Der Karlsruher Virenexperte Christoph Fischer hält "Vote" für wenig gefährlich. Zwar lösche der Virus die gesamten Dateien im Windows-Verzeichnis der Festplatte, doch könne man möglichen Datenverlusten mit einer Sicherheitskopie begegnen. "Vote" habe in etwa die Qualität des bereits bekannten "I love you". Der vor wenigen Tagen entdeckte Virus "Nimda" sei dagegen ein ganz anderes, viel gefährlicheres Kaliber. Nach Ansicht von US-Experten gibt es keine Hinweise, dass der Virus direkt mit den Anschlägen vom 11. September in Verbindung steht. Der Programmierer sei vermutlich ein Trittbrettfahrer.

© 2001, stern.de


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