"Le Monde": USA im Auge behalten Die unabhängige französische Tageszeitung "Le Monde" (Paris) schreibt am Mittwoch zu den Anordnungen der USA, die gegen die weltweiten Finanztransaktionen von Terroristen gerichtet sind: "Der Kampf wird lange dauern, weil das Netz Bin Ladens für seine Transaktionen Bargeld nutzt und die offiziellen Bankenkanäle meidet, sich stattdessen auf geheime Zirkel konzentriert wie beispielsweise Kursmakler in der pakistanischen Diaspora. Diese Langsamkeit könnte Ungeduld und Irritation bei den Amerikanern hervorrufen, die sich im Moment zwar legitim, aber dennoch einseitig, Rechte angemaßt haben. So wie die Europäer ihre unterschiedliche Haltung in der Frage des militärischen Gegenschlags unterstrichen haben, so ist es auch notwendig, dass sie wenigstens ein wechselseitiges Drohmittel auf die amerikanischen Banken erhalten. Sie sollten aufpassen, dass die USA beim Kampf gegen den Terrorismus im Rahmen bleiben und ihre Dominanz in der Weltwirtschaft nicht noch stärken."
"La Repubblica": Die Versuchung der Pazifisten Die römische Tageszeitung "La Repubblica" schreibt am Mittwoch über die Haltung der Kriegsgegner zum geplanten US-Schlag gegen die Terroristen Bin Ladens: "Bald schlägt die große Stunde des Pazifismus. In den ersten Tagen des Schocks und des Horrors war er ein starkes Gemurmel im Hintergrund. Heute, nachdem der Mullah Omar und der Scheich Bin Laden feierlich den "Heiligen Krieg gegen die Juden und die Kreuzritter" und damit gegen den ganzen Westen erklärt haben, schicken sich die Pazifisten nun an, ein politischer Faktor zu werden. Es wird gut sein, sich dessen bewusst zu sein. Denn unter den vielen Asymmetrien dieses Konflikts ist die wichtigste und am wenigsten diskutierte jene, dass wir eine öffentliche Meinung haben und unsere Feinde nicht. Zum Glück. Wenn dieser Krieg letztlich einen Sinn hat, dann jenen, dass man weiter in einem Land leben kann, in dem es geteilte Meinungen gibt. Die Terroristen wissen, dass sie nicht die geringste Chance haben, uns militärisch zu besiegen. Aber mit ihren Angriffen hoffen sie, Unsicherheit in unseren Gesellschaften zu verbreiten und so ein ideales Klima zur Spaltung des Westens und zur Untergrabung unserer Demokratien zu schaffen."
"Le Figaro": Saudi-Arabien spielt eine Schlüsselrolle Die konservative französische Tageszeitung "Le Figaro" kommentiert am Mittwoch den Abbruch der Beziehungen Saudi-Arabiens zu den Osama Bin Laden unterstützenden Taliban: "Bin Laden hatte zum Aufstand gegen die militärische Präsenz der 'Ungläubigen' auf islamischen Boden aufgerufen. Die FBI-Ermittler erhielten jedoch nicht die erhoffte Unterstützung. Saudi-Arabien ist ein sehr abgeschottetes Land. Das Bankensystems ist quasi total undurchsichtig. Jeder weiß, dass private Gruppen im Königreich weltweit eine Vielzahl moslemischer Gruppen finanzieren. Dies muss gestoppt werden, ohne das herrschende Regime zu destabilisieren. Denn die saudische Königsfamilie lebt zwar in Palästen, die Tausend und einer Nacht würdig sind, und schwimmt im Überfluss der Petro-Dollars. Sie regiert aber über eine sehr konservative und religiöse Gesellschaft, in der die Fatwa von Bin Laden auf ein großes Echo stößt."
"Financial Times": Weltpolitik ohne "Hinterhöfe" Die "Financial Times" (London) kommentiert am Mittwoch die Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putin im Zusammenhang mit den Terroranschlägen: "Die Entscheidung von Wladimir Putin, bei der US-geführten Kampagne gegen den globalen Terror mitzumachen, bestätigt die außerordentlichen Veränderungen in der weltpolitischen Lage. Es gibt die alten Konfrontationen nicht mehr. Das ist eines der positiven Ergebnisse der schrecklichen Ereignisse des 11. September. Es kann Putin nicht leicht gefallen sein. Er hat den US- Streitkräften grünes Licht zur Nutzung von Militärstützpunkten in den früheren Sowjet-Republiken gegeben. Russland hat sich entschieden, den USA und seinen Alliierten in einem lebenswichtigen Moment zur Seite zu stehen. Damit verbunden ist das Eingeständnis, dass es in der modernen Welt keine "Hinterhöfe" mehr gibt. Und das ist eine der wichtigsten Botschaften der jüngsten Terrorattacken."
"Der Standard": Kampf der Kulturen hat schon begonnen Der Kampf der christlichen und islamischen Kulturen habe schon begonnen, meint die liberale österreichische Zeitung "Der Standard" am Mittwoch angesichts der jüngsten Terroranschläge: "Als der Papst auf seiner Kasachstan-Reise erklärte, man müsse sich nach den Terrorakten von New York und Washington hüten, den Islam zu verurteilen, erntete er den Applaus all jener, die einen "Kampf der Kulturen" verhindern wollen. Johannes Paul II. im Wortlaut: "Ich möchte den Respekt der katholischen Kirche vor dem Islam bekräftigen, dem authentischen Islam - dem Islam, der betet, der sich um die Bedürftigen kümmert." Es ist nun freilich eine recht eigenwillige Form der Toleranz, dem anderen mitzuteilen, was an ihm authentisch sei und was nicht. (...) In Wahrheit war die als Zeichen der Mäßigung gefeierte Respekt-Forderung des Papstes der bisher schärfste Ausdruck des Kulturkampfes zwischen dem römischen Christentum und dem Islam. Die Warnung vor einem Kampf der Kulturen kann man sich also sparen, er ist bereits im Gang."
"de Volkskrant": Blair muss auch der IRA die Faust zeigen Zum britischen Auftreten gegen Terrorgruppen in Nordirland meint die niederländische sozialdemokratisch orientierte "Volkskrant" am Mittwoch: "Die heftige Reaktion der britischen Regierung auf die Anschläge in den USA unterscheidet sich stark von der endlosen Geduld, die (Premierminister) Blair gegenüber den paramilitärischen Gruppen in Nordirland an den Tag legt. In der vorigen Woche hat die IRA erneut sechs Wochen Zeit erhalten, um mit dem Abliefern von Waffen zu beginnen. Der Premier ballt die eine Hand zur eisernen Faust, während die andere im Samthandschuh steckt. (...) Der internationale "Krieg" gegen Terrorismus kann aber auch an der IRA nicht vorbeigehen. Bush kann nicht einerseits die Konten von Terroristen aus dem Nahen Osten sperren lassen und zugleich zulassen, dass Republikaner aus Irland in den USA Geld sammeln. Auch Blair muss eine Antwort auf das Dilemma geben: entweder mit beiden Gruppen reden oder gegen beide kämpfen, aber nicht mit den einen reden und die anderen bekämpfen."
"Iswestija": Europa bewegt sich in Sachen Tschetschenien Zu der gemeinsamen Front Europas und Russland gegen den Terrorismus, die beim Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Deutschland beschworen wurde, schreibt die Moskauer Tageszeitung "Iswestija" am Mittwoch: "Von der Visite wurden nicht nur Zeichen einer weiteren Verbesserung der sowieso schon gelungenen bilateralen Beziehungen erwartet, sondern eine "Annäherung der Koordinatensysteme". Und die Erwartungen wurden gerechtfertigt. (Bundeskanzler Gerhard) Schröder gab ein eindeutiges Signal: Nach seinen Worten muss die internationale Gemeinschaft die Ereignisse in Tschetschenien "differenzierter beurteilen". Das ist eine klare, starke Veränderung der Haltung Europas, auch wenn die Gründe dafür noch nicht bis zum letzten klar sind."
"Luxemburger Wort": Kontrollen am Finanzplatz Luxemburg Zu der Absicht der USA, Vermögenswerte von terroristischen Gruppen und ihren Helfern einzufrieren, meint das "Luxemburger Wort" am Mittwoch: "In den vergangenen Jahren hat die Politik hier zu Lande nichts anbrennen lassen, wenn es darum ging, reglementarische Sicherheitsbarrieren einzubauen, die den versierten Finanzjongleuren der Terror- und Kriminalitätsszene das Leben erschweren sollen. Kernstück des Arsenals für einen sauberen Finanzplatz ist die 1998 modifizierte Gesetzgebung gegen Geldwäsche. Es handelt sich um ein Gesetz, und das geben ehrliche und unbefangene Experten aus dem Ausland zu, das Modellcharakter besitzt. (...) Die Banker und Akteure am Finanzplatz sind nämlich dazu verpflichtet, verdächtige Geschäfte behördlich zu melden, (...) bevor Milliardenbeträge den Besitzer oder die Zweckbestimmung gewechselt haben. Dass der präventive Kontrollmechanismus in der Praxis greift, wurde eben jetzt im Zusammenhang mit den Attentaten in den USA und der Durchleuchtung des Bin-Laden-Imperiums deutlich. (...) Es musste demnach nicht soweit kommen wie im Ausland in Deutschland etwa, wo unsaubere Geschäfte getätigt wurden und die Staatsanwaltschaft umfassende Ermittlungen angeordnet hat."
"Neue Zürcher Zeitung": Scharon gab israelischem Druck nach Zur Entwicklung im Nahen Osten schreibt die "Neue Zürcher Zeitung" am Mittwoch: "Der Palästinenserführer Arafat hat offenbar begriffen, dass er in der jetzigen weltpolitischen Konstellation die amerikanische Forderung nach einer wenigstens vorläufigen Entspannung im gewaltsamen Streit mit Israel nicht einfach ignorieren kann, ohne seinen Interessen zu schaden. (...) Nun hat Arafat nach den Terroranschlägen gegen Amerika erstmals halbwegs deutlich seine Bereitschaft erklärt, sich für einen konsequenten Waffenstillstand gegenüber Israel einzusetzen. Der israelische Regierungschef Scharon hat inzwischen dem amerikanischen Druck insofern nachgegeben, als er die Vorbedingungen für ein Treffen seines Außenministers Peres mit dem Palästinenserführer erheblich reduzierte. (...)."