Dieses Infopaket enthält Zeitungsnotizen vom Tag danach und einige Kommentare zu den laufenden Ermittlungen, aber auch Stimmen über die Zukunft und den sogenannten Kriegszustand. Auch wird auf die Lage der muslimischen auslände hingewiesen, die pauschal beschuldigt werden.
Bitte haben Sie Verständnis dafür, daß ich das Infopaket aufgrund der gebotenen Aktualität und des Zeitaufwandes nicht mehr durch ein Layout wie beim ersten Paket verschönere.
Vielen Dank.
Ermittlungen auf Hochtouren Was geschah an Bord?
Die USA suchen weltweit nach den Terroristen und ihren Helfern, die für die Selbstmordangriffe auf das World Trade Center und das Pentagon verantwortlich sind. Nach und nach werden Einzelheiten über die letzten Minuten vor der Katastrophe bekannt. Noch vor dem Absturz der drei Flugzeuge gelang es Insassen der Maschinen, telefonisch über die Vorkommnisse an Bord zu berichten.
Nach Berichten des n-tv Partnersenders CNN haben die Ermittler des FBI mehrere Verdächtige im Visier, die Verbindungen nach Südflorida haben sollen. Erst Anhaltspunkte hätten sich aus den Passagierlisten der entführten Flugzeuge ergeben. In einer der Maschinen sei nach dem Überfall der Teroristen ein Mikrofon eingeschaltet geblieben. Nähere Angaben machte das FBI nicht.
In der Maschine, die auf das Pentagon stürzte, wurde zeitweise der Flugdatenübermittler ausgeschaltet, und das Flugzeug verschwand von den Radarschirmen. Dieser Sender übermittelt per Funk unter anderem Flugnummer und Standort. Als die Maschine wieder auftauchte, habe sie das Weiße Haus angesteuert, um dann in scharfer Kurve auf das Pentagon zuzuhalten. Dies deutet auf erfahrene Piloten hin. Die Terroristen in diesem Passagierjet waren offenbar nur mit Messern bewaffnet.
Drei Telefonate vor dem Absturz
Eine Flugbegleiterin und zwei Passagiere aus drei der vier abgestürzten riefen mit ihren Mobiltelefonen Angehörige beziehungsweise eine Notfallnummer an. Barbara Olson, eine bekannte Juristen in den USA, sprach kurz vor dem Absturz auf das Pentagon mit ihrem Mann, einem führenden Mitarbeiter des Justizministeriums. Die Geiselnehmer hätten messerartige Waffen benutzt, um die Kontrolle über das Flugzeug zu erlangen. Sie hätten die Fluggäste in den hinteren Teil der Maschine getrieben, sagte sie.
Ein Geschäftsmann an Bord einer der betroffenen United-Airlines-Maschinen, die in Boston gestartet war und ins World Trade Center stürzte, telefonierte zwei Mal mit seinem Vater. Beim ersten Anruf habe der Mann erzählt, dass eine Stewardess niedergestochen worden sei. Beim zweiten Telefonat habe er gesagt, das Flugzeug stürze ab.
Von Bord der zweiten Maschine, die ins World Trade Center raste, setzte eine Flugbegleiterin einen Notruf ab. Sie habe mitgeteilt, sie und ihre Kolleginnen seien mit einem Messer angegriffen worden, teilte die Mitarbeiterin der American Airlines mit.
SZ vom 12.09.01 Hartherzig Von Marc Beise Binnen Minuten raste am Dienstag die Nachricht vom größten Terrorakt aller Zeiten um die Welt und sorgte für einen kollektiven Schock. Besonders schnell informiert waren die Profis der Finanzwelt, deren amerikanischer Pendant von den Vernichtungsschlägen gegen das World Trade Center unmittelbar betroffen war. Niemanden in der Szene, der neben dem Verstand zum Geldmachen noch ein Herz zum Fühlen hat, konnten die Live-Bilder aus den USA kalt lassen. Umso unverständlicher ist es, dass ausgerechnet die Wertpapierhändler der deutschen Geldmetropole Frankfurt am Main weiterarbeiten mussten, als sei nichts geschehen. Nicht im Traum dachten die Deutsche Börse AG und ihre europäischen Wettbewerber daran, dem US-Vorbild zu folgen und den Handel auszusetzen. Beinahe 24 Stunden brauchten die Börsen, um wenigstens zu einer Trauerminute am Mittwoch Nachmittag zu finden. Man kann trefflich darüber streiten, wie weit jetzt die kollektive Betroffenheit reichen soll, ob Fußballspiele abgesagt werden müssen oder das Münchener Oktoberfest. Bei der Klientel aber, die es unmittelbar angeht, darf sich die Frage gar nicht stellen. Zu Recht haben viele Unternehmen und Verbände ihre Termine abgesagt, auch die große Eröffnungsfeier der Automobilausstellung IAA in Frankfurt. Nur die Deutsche Börse selbst, den Ereignissen in den USA am nähesten, zeigte sich respekt- und pietätlos. Die Argumente, die für ein The Show must go on vorgebracht werden, führen in die Irre. Man dürfe den Terror nicht triumphieren lassen, heißt es. Oder: Das Vertrauen ins System dürfe nicht destabilisiert werden. Oder, konkreter: Die Folgen einer Börsenschließung seien unkalkulierbar gewesen, über Nacht wären milliardenschwere Positionen offen geblieben. Dann wären Abläufe also nicht mehr gestaltbar, dann regierte doch das Geld die Menschen und nicht umgekehrt? Gerade wem das Vertrauen ins Finanzsysteme am Herzen liegt, hätte gut daran getan, in der Stunde des Terrors eine Besinnungspause einzulegen. Wie realistisch sind überhaupt die Kurse, die sich in den Nachmittagsstunden des Dienstag entwickelt haben? Festgestellt von Händlern, denen die Gesprächspartner soeben weggebombt worden waren, die um Kollegen und Freunde fürchteten? Statt sich aber zu besinnen, wurde die Börsenleitung erst richtig aktiv: So lockerte sie wegen der wachsenden Hektik an den Märkten still und leise die Schutzregeln für Kleinanleger im elektronischen Xetra-Handel und spielt damit den Großinvestoren in die Hände Business as usual? Die Deutsche Börse wird noch manche Frage beantworten müssen. © sueddeutsche.de GmbH, 2001
Augenzeugen in Manhattan Sprünge in den Tod Die einstürzenden Hochäuser in Manhattan hinterlassen ein Bild des Grauens und verursachen unbeschreibliches menschliches Leid. Von Jörg Häntzschel (SZ vom 12.09.2001) - Das Schlimmste sind vielleicht die Dutzenden von Menschen, die in ihrer Verzweiflung aus dem 80. Stock des World Trade Center in den Tod springen. "Sie wollen nicht verbrennen!", erklärt eine Frau, die die unfassbaren Szenen schon seit Minuten beobachtet hat, den neu angekommenen fassungslosen Zuschauern. "Oh Gott, springt nicht!", rufen sie, die eben erst merken, dass das menschliche Körper sind, die da durch die Luft wirbeln. Es ist gegen halb zehn Uhr, auf einer Verkehrsinsel vor den Twin Towers und nur Minuten, nachdem die zweite Explosion den südlichen Turm des World Trade Centers schwer beschädigt hat, der nun wie der nördliche auf etwa zwanzig Stockwerken in hellen Flammen steht. Zu diesem Zeitpunkt denkt man noch, die brennenden Gebäude ließen sich evakuieren, das Feuer irgendwie löschen, obwohl die Rettungsfahrzeuge sich erst jetzt durch den dichten Rush-Hour-Verkehr gearbeitet haben. Riesige Metallteile fliegen noch immer durch die Luft und machen jedes Näherkommen lebensgefährlich. Betonbrocken schlagen auf den umliegenden Straßen ein, die bedeckt sind von angekohlten Akten und von einer dicken Schicht aus Mörtel und Dämmmaterial. Doch als gegen 10 Uhr ein tiefes Grollen das südliche Manhattan erschüttert und das silbrig glänzende Gebäude beginnt, in die umgebenden Straßenschluchten zusammenzufallen, wie ein Kartenhaus, nein, wie ein ganzer Berg, wie eine ganze Stadt, da wird aus einer Katastrophe ein Ereignis weit außerhalb der Vorstellungskraft von allen, die es sehen. "Es ist wie in ,Godzilla!'", ruft ein Mann, und dieses eine Mal ist der Vergleich nicht übertrieben. Binnen Sekunden rollt eine Walze von Staub und Rauch durch die engen Straßenschluchten und hüllt Feuerwehrleute und Sanitäter ein, ebenso Tausende verwirrt durch die eben erst abgesperrten Straßen irrende Angestellte aus den umliegenden Gebäuden. Hunderte rennen in den engen und von Rettungsfahrzeugen verstopften Hochhausschluchten um ihr Leben, während die Staubwalze sich Block für Block nähert. Binnen Sekunden sind Autos zertrümmert und die Straßen von einem dicken Teppich aus Schutt bedeckt, der ein wenig aussieht wie Schnee, nur viel dunkler. Doch was ist mit den Tausenden, vielleicht Zehntausenden, die noch im Gebäude des World Trade Center sind? 40000 bis 50000 Menschen arbeiten dort, etwa viermal so viele benützen die nahe gelegene U-Bahn-Station und das Einkaufszentrum jeden Tag. Bürgermeister Rudolph Giuliani spricht von einer schrecklichen Zahl von Toten. " Jetzt müssen wir uns darauf konzentrieren, so viele Menschenleben wie möglich zu retten," erklärt er. Später erklärt die Polizei, dass wahrscheinlich Tausende ums Leben gekommen sind, nach inoffiziellen Schätzungen könnte die Zahl jedoch die Zehntausend übersteigen. Die Feuerwehr benützt jetzt Taschenlampen, um sich bei einer Sicht von unter einem Meter noch zu orientieren. "Das ist wie ein Kriegsgebiet," sagt ein Feuerwehrmann. Außerhalb der Barrikaden, mit denen gegen Mittag der ganze Financial District um die Wall Street abgeriegelt ist, und überall in Manhattan stehen Trauben von Menschen auf den Straßen, die Augen weit aufgerissen. Viele weinen, ganze Gruppen haben sich zum Beten versammelt. Alle starren fassungslos auf den Ort, wo einmal das Wahrzeichen von New York stand. Und alle versuchen, ihre Angehörigen anzurufen, von Handys und Telefonzellen aus, doch die meisten bleiben mit ihrem Schmerz allein. Das New Yorker Telefonnetz ist zusammengebrochen. Auch der Verkehr steht mittlerweile still. Sämtliche Brücken und Tunnel sind inzwischen gesperrt, U-Bahn und Eisenbahn haben den Betrieb eingestellt, die Schulen werden geschlossen, um zu verhindern, dass Kinder sich dem Katastrophengebiet nähern. Eine seltsame Ruhe ist eingekehrt, zerrissen nur vom Heulen der Sirenen der pausenlos durch die Straßen jagenden Ambulanzen. Mittlerweile rufen die Krankenhäuser die New Yorker zum Blutspenden auf, die Vorräte sind bereits gegen Mittag nahezu erschöpft. Die Börse an der Wall Street, die längst geschlossen ist, soll nach offiziellen Angaben erst in der nächsten Woche wieder geöffnet werden. © sueddeutsche.de GmbH, 2001
SZ vom 12.09.01 Rettungsanker Internet Terroranschläge gegen die USA Das Netz hat sich nach den verheerenden Anschlägen in den USA als verlässlichstes Kommunikationsmittel erwiesen. Von Susanne Herda Während Mobiltelefone und Festnetzverbindungen nach den Terroranschlägen vom Dienstag in New York und Washington zeitweilig komplett blockiert waren, hat das Internet dem durch die Katastrophe ausgelösten Ansturm offenbar stand gehalten. Das Netz war zwar wenige Stunden nach der Katastrophe stark beeinträchtigt und wurde immer langsamer - zahlreiche Nachrichtenanbieter waren stundenweise nicht mehr erreichbar und einige Suchmaschinen verwiesen ihre Besucher auf andere Medien wie Radio und Fernsehen -, zu einem Zusammenbruch des Internets kam es bislang jedoch nicht. Dass das Medium in der Geschwindigkeit der Datenübertragungen zwar mitunter stark beeinträchtigt war, die Verbindungen dem Ansturm dennoch stand hielten, liegt an der dem Medium zu Grunde liegenden Infrastruktur. Die angeforderten beziehungsweise abgeschickten Datenpakete sind in der Lage, sich bei verstopften Leitungen oder abgestürzten Routern alternative Wege im Netz zu suchen. Vielmehr sind es die Server der Informationsanbieter, die einen Flaschenhals verursachen. Website-Betreiber legen in der Regel bei der Planung der Infrastruktur ihres Online-Angebotes eine maximale Bandbreite fest, die auf Schätzungen der Zugriffszahlen in den vergangenen Monaten, dem natürlichen Wachstum des Internets und diversen anderen zur Verfügung stehenden Erhebungen ermittelt wird. Insofern ist es nicht weiter verwunderlich, dass Katastrophen wie die jüngsten Terroranschläge gegen die USA und die daraus resultierende Nachrichtenlage jegliche Kalkulation ad absurdum führen und eine kurzfristige Erhöhung der Kapazitäten erforderlich machen. Die meisten Informationsanbieter haben darüber hinaus ihr Angebot reduziert, sodass wenige Stunden nach dem Terror-Anschlag kaum mehr eine Beeinträchtigung des Internet-Verkehrs zu spüren und der Flaschenhals zum großen Teil wieder abgebaut war. © sueddeutsche.de GmbH, 2001
World Trade Center Stahl wird weich wie Knetmasse Warum die Türme des World Trade Center dem Aufprall und dem Feuer nicht standhalten konnten. Von Angelika Jung-Hüttl und Thilo Kunzemann Die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York - einer war 412, der andere 414 Meter hoch - sind am Dienstag in sich zusammengestürzt, kurz nachdem zwei Flugzeuge in sie hinein gerast waren. Ein Skelett aus Stahl Hochhäuser wie das World Trade Center haben nach Auskunft von Hochbau-Experten in der Mitte einen Kern aus Stahlbeton. Er nimmt etwa 50 Prozent der Grundfläche ein. Darum herum tragen Konstruktionen aus Stahlstützen die Decken- und Wandelemente aus Beton. Die Außenfassade der Twin Towers wurde nach dem Attentat von 1993 verstärkt. Doch dem waagrechten Aufprall der Flugzeuge konnte sie nicht standhalten. Aus Brandschutzgründen sind alle Fluchtwege im Kern aus feuerfestem Beton - Fachleute sprechen von einem Tube - integriert. Kern durch Explosion geschwächt Es wird darüber spekuliert, dass bei der Explosion der Flugzeuge nach dem Aufprall der Kern beschädigt wurde, Benzin konnte in den Kern eindringen und sich entzünden. Dadurch waren die Fluchtwege in den oberen Stockwerken sofort abgeschnitten. Der Zusammenbruch Experten zufolge hatte das stückweise Einbrechen der Wolkenkratzer folgenden Grund: Wände und Decken der Stockwerke wurden dadurch instabil. "Die Decken sind nur für eine bestimmt Last ausgelegt", sagt Stephen Reusch vom Institut für Tragkonstruktionen an der Universität Stuttgart. Wird diese Last überschritten, kommt eine Kettenreaktion in Gang. Das Gebäude stürzt wie ein Kartenhaus zusammen. 500 bis 800 Grad Celsius Durch die große Hitze des Feuers kommt es bei Temperaturen zwischen 500 und 800 Grad zur sogenannten Plastifizierung: Das bedeutet, dass der Stahl "weich wird wie Knete", sagt der Statiker Marko Ludwig vom Ingenieur-Büro Pichler in Berlin. Dabei gebe das Stahlskelett nicht plötzlich nach, sondern es entstünden zunächst immer mehr Stellen, die nicht mehr tragfähig seien. "Irgendwann kommt dann der Punkt, wo das Haus zu viele labile Punkte hat." In New York stürzten die Türme etwa eine halbe Stunde nach dem Aufprall plötzlich in sich zusammen, Großbrände folgten. Neueste Hightech-Bauten Laut Ludwig machten es erst Stahlskelette Anfang des Jahrhunderts möglich, Wolkenkratzer zu bauen. In der Regel seien Stahlskelette bis heute das Gerüst solch hoher Gebäude. Lediglich neueste Hightech-Bauten seien aus hochfestem Beton gebaut. Dieser Beton konne Feuerbrünbsten besser standhalten. Aber angesichts des heftigen Aufpralls hätte das "vermutlich auch nichts genützt", meint Ludwig. Der Zusammenbruch von Hochhäusern sei bei einem derart heftigen Eingriff in die Statik nicht zu verhindern, sagte auch der Oldenburger Baustatiker Hans-Georg Oltmanns. Lediglich Atomkraftwerke seien in ihrer Statik so ausgerichtet, dass sie einem Flugzeugabsturz stand halten könnten - zumindest rechnerisch. (sueddeutsche.de / dpa / AFP) Das Gelände des World Trade Centers in New York. Grafik: The Port Authority ________________________________________________________
World Trade Center - Die Fakten Beschreibung Der gesamte Komplex umfasste sieben Gebäude. Die Zwillingstürme beherbergten je 110 Stockwerke. WTC 7, das nach dem Zusammenbruch der Haupttürme ebenfalls einstürzte, bestand aus 47 Stockwerken. Twin Towers: Turm Eins war mit 414 Metern zwei Meter höher als Turm zwei (412 Meter). Turm Eins wurde von einer riesigen Antenne gekrönt, die von vielen Fernsehsender genutzt wurde. Bis zur Fertigstellung des Sears Towers in Chicago galten die Zwillingstürme als höchstes Gebäude der Welt. Architekten: Minoru Yamaski & Associates and Emery, Roth & Sons. Baumaterialien: Aluminium und 200000t Stahl. Mit dem verbauten Beton ließe sich ein 1,80m breiter Fußgängerweg von New York bis Washington D.C. zementieren. Fundament: Die Basis der Türme erstreckt sich mehr als 25 Meter unter die Erde und ruhte dort auf solidem Felsboden. Aussichtplattformen: Vom Dach der Hochhäuser konnte man mehr als 80 Kilometer weit sehen. Kapazität: Rund 50,000 Menschen arbeiteten in dem Komplex. 430 Firmen aus 26 verschiedenen Nationen unterhielten hier Büroräume. Jeder Turm beherbergte 104 Passagierlifte und 21,800 Fenster. Bauzeit: Das Hochhaus wurde 1966 auf einem sechseinhalb Hektar großen, sanierungsbedürftigen Gelände am Ufer des Hudson errichtet. Nach dreijähriger Bauzeit wurden die Türme 1970 vollendet. Weitere drei Jahre benötigte man für die Inneneinrichtung. 1973 wurde das Hochhaus offiziell eingeweiht. Eigentümer: Im Februar 2001 kaufte die Immobilienfirma Vornado Realty Trust das Gebäude für 3,25 Milliarden Dollar (damals sieben Milliarden Mark/3,6 Mrd Euro). Es war die größte Immobilientransaktion aller Zeiten. © sueddeutsche.de GmbH, 2001
Berlin Rosen an der Botschaft Die Hauptstadt nach den Terror-Anschlägen in den USA von Thorsten Denkler Die Fahnen auf Halbmast vor Reichstag und Bundeskanzleramt. Überall Polizei, Maschinengewehr im Anschlag. Sicherheitsstufe eins. Kontrollen dort, wo sonst der Zugang ungehindert ist. Die amerikanische Botschaft ist weiträumig abgeriegelt. Die Allee Unter den Linden ist menschenleer. Sie ist gesperrt bis kurz vor das Brandenburger Tor. Aus Sicherheitsgründen. Menschen sammeln sich vor den Gittern der Botschaft. Einige legen weiße und rote Rosen ab oder reichen sie den Polizisten hinter dem Stahldrahtzaun. In Kneipen und Restaurants mit Fernsehern drängen sich Berliner und Touristen, die das Unfassbare nicht fassen können. Bundeskanzler Schröder spricht. Mitgefühl, Trauer, Entsetzen in einer Minute und zwanzig Sekunden. Fragen werden nicht zugelassen. Was sollte er auch Antworten? Über die Nachrichtenticker jagen die Stellungnahmen von Johannes Rau, Verteidigungsminister Rudolf Scharping, der CDU-Vorsitzenden Angele Merkel, des FDP-Fraktionschefs Wolfgang Gerhard, die hilflos versuchen in Worte zu kleiden, was nicht in Worte zu kleiden ist. Die Haushaltsdebatte im Bundestag wird abgebrochen, als die ersten Nachrichten von den Anschlägen die Hauptstadt erreichen. Für den Abend werden Feiern werden abgesagt. Bei den Grünen stand alles bereit für ihr Sommerfest. Die FDP hatte zum Medientreff geladen. Die Bayerische Landesvertretung wollte den Berliner Auftakt des Oktoberfestes feiern. 2000 Gäste wurden erwartet. Das Variete-Theater Friedrichstadtpalast und im Theater des Westens lassen ihre Abendvorstellungen ausfallen. © sueddeutsche.de GmbH, 2001
Ausländer Das Feindbild wirkt bereits Münchner Muslime fühlen sich pauschal beschuldigt. Von Bernd Kastner (SZ vom 13.9.2001) - Die Ängste sind natürlich da, sagt Rasul Akhtar. Seine Stimme hört sich ernst und gedrückt an. Er meint die Angst, in den Strudel der Rache zu geraten, Ziel von Anfeindungen zu werden. Weil man Afghane ist, weil man Muslim ist und damit für manche pauschal verdächtig, mit den Terroristen zu sympathisieren, gar etwas mit ihnen zu tun zu haben. Denn die, so sagt die öffentliche Meinung und scheint sich dabei ganz sicher zu sein, die kommen ja auch aus Afghanistan. Sind ja auch Muslime, wie der Terrorist bin Laden. Er wurde schon angepöbelt Akhtar fürchtet zwar keine Feindseligkeit gegen sich selbst, weil er seit langem in München lebt und sich nicht traditionell kleidet. Aber für die, die den islamischen Glauben praktizieren, wirds schwierig. In den Gemeinderäumen der Islamischen Union in der Landwehrstraße sitzt ein Mann, der diese pauschale Anschuldigungen gerade erlebt hat: Angepöbelt wurde er, erzählt der 40-Jährige, der seinen Namen nicht veröffentlicht haben will, weil er zusammen mit seiner Nichte auf der Straße lief. Sie trug Kopftuch. Wir sind die schwarzen Schafe. Und am Tag der Attentate hat vier-, fünfmal das Telefon geklingelt im Gemeindezentrum. Immer die selbe Stimme. Sie drohte, euch alle auszurotten. Jeder hier weiß, wer mit alle gemeint war. Der Anrufer war eindeutig Deutscher Der Mann, deutscher Staatsbürger muslimischen Glaubens, will den Vorfall nicht aufbauschen, hofft auf die Ermittlungen der Polizei, die gleich da war. Der Anrufer war eindeutig Deutscher, aber der Mann will nicht von einem Deutschen sprechen, um nicht seinerseits pauschal und ungerecht zu werden. Ein Mensch war es, sagt er, seine Herkunft sei egal. Wie, fragt er, wie solle man sich als Muslim gegen pauschale Anschuldigen verteidigen? Wie alle vernünftigen Menschen seien auch sie geschockt gewesen: Wir haben geheult. Jetzt ruft der Muezzin zum Gebet, und der Mann zieht eine Parallele: Was würden denn die Deutschen sagen, wenn er sie wegen der RAF-Verbrechen verdammen würde? Selim Kanzis, 22, arbeitet im Büro der Fluggesellschaft Air Anatolia und denkt laut über sich als Muslim und das Geschehene nach. Ich glaube nicht, dass ich selbst mit Vorwürfen konfrontiert werde. Eher seien die betroffen, die nicht integriert seien; er selbst ist aber aufgewachsen hier, fühlt sich als Deutscher. Und wenn, dann würde er seine Ansicht darlegen, würde sagen, dass er auf Seiten der USA stehe, weil die sich für Frieden einsetzten. Die Menschen, die andere verurteilen, sollten sich genau überlegen, wen sie verurteilen, sagt Selim Kanzis. Es sollten sich nicht alle Muslime von den Vorwürfen angesprochen fühlen. © sueddeutsche.de GmbH, 2001
12.09.2001 Der WDR 4 Kommentar: Furchtbarer Terror - doch kein Krieg Autor: Hubert Maessen
Nein, es ist kein Krieg, es ist auch keine Kriegserklärung an die zivilisierte Welt, wie unser Bundeskanzler heute morgen im Bundestag formulierte. Das gestrige monströse Verbrechen so zu sehen, bedeutet doch, dass wir uns die irre Sicht der bislang anonymen Mörderbande zu eigen machen. Wäre es ein Krieg, dann hätten sich die hochgerüsteten USA ganz bestimmt schützen können. Nutzlos sind aber die Waffen, Methoden und Regeln des Krieges, wenn man es mit skrupellosen Verbrechern, mit fanatischen Terroristen zu tun hat, die aus dem Untergrund zuschlagen und denen das eigene Leben so wenig gilt wie das ihrer unschuldigen Opfer. Deshalb führt auch der Vergleich mit Pearl Harbor in die Irre. Damals, 1941, da kannte man den Gegner, da konnten die USA Krieg führen gegen Japan und auch gegen Hitler-Deutschland. Aber jetzt? Wer ist denn der Gegner? Ist es der berüchtigte millionenschwere Saudi Osama Bin Laden, der bei den Taliban in Afghanistan untergeschlüpft sein soll? Und wenn: Wäre der Terror vorbei, indem man ihn oder andere Täter zur Strecke brächte, wie es der amerikanische Präsident George Bush versprochen hat? Würde er nicht gar zum Märtyrer, den zu rächen neue Terroristen antreten würden? Ja, der "Titanic"-Schock, der uns alle getroffen hat, der rührt auch daher, dass wir nicht nur Ohnmacht spüren, sondern auch Ausweglosigkeit ahnen. In unserer volltechnisierten Welt mit phantastischen Maschinen, komplexen Vernetzungen und weltweiten Abhängigkeiten, mit riesigen Häusern, Mega-Kraftwerken, pfeilschnellen Zügen und Super-Jumbos, mehr, mehr, größer, schneller! sind wir auch immer verletzlicher; wir schaffen die Waffen selber, mit denen wir verwundbar sind. Es waren ja amerikanische Flugzeuge, aus denen die Attentäter sich ihre Bomben machten. Und das waren keine Wüstensöhne, die mit Vorderladern rumballern, das waren technisch gebildete Profis, die ihren Hass in eiskalte Action verwandeln konnten, und ihren ebenso grauenhaften wie raffinierten Plan perfekt umsetzten. Sie wollten die USA demütigen und quälen, sie wollten den Amerikanern Angst machen, und sie wollten Rache nehmen, wofür auch immer. Das alles ist ihnen fürs erste gelungen. Sie haben tatsächlich etwas geschafft, was die USA noch nie erlebt hatten und um jeden Preis verhindern wollten: zum ersten Mal in ihrer Geschichte sind sie auf ihrem Festland angegriffen, bombardiert worden, sie waren wehrlos und hatten an einem einzigen Tag Tausende von Toten und Verletzten, von den in die Milliarden gehenden Schäden ganz zu schweigen. Das muss diese unbändig selbstbewusste Nation ins Mark treffen, das muss sie traumatisieren. Man kann den nun wütenden Rachedurst der Amerikaner verstehen, ja, das kann man. Aber auch mit Vergeltungsschlägen folgte man der Logik der Terroristen, Rache kann nicht die Antwort sein. Die Antwort muss sein, gemeinsam eine Welt zu organisieren, die Frieden und Gerechtigkeit achtet, und in der Abwehr von Terror und anderer organisierter Kriminalität zusammensteht. Die USA sollten in ihrem gerechten Zorn auf Alleingänge verzichten und die internationale Gemeinschaft suchen. Auch deshalb, weil der Angriff nicht nur ihnen galt. Er galt, und da hat der Bundeskanzler nun doch recht, er galt der ganzen schönen, unvollkommenen und so leicht verletzlichen Welt, in der wir leben und leben wollen.
© 2001 WDR Köln
Herzstillstand
Ein Kommentar von Stefan Wild, Professor am Orientalischen Seminar der Uni Bonn
Die Zahl der Opfer in New York und Washington ist nur in Tausenden zu messen. Mit World Trade Center, Wall Street und Pentagon wurden Symbole amerikanischer Macht getroffen; als das Weiße Haus evakuiert wurde, schien das Herz der USA für einen Augenblick stillzustehen. Den Terroristen ist es gelungen, die Weltmacht USA tief zu demütigen. Da sich US-amerikanische Terroristen vom Schlag des Timothy Veigh nicht mit ihren Opfern zusammen in die Luft zu sprengen pflegen, ist zu befürchten, dass es sich tatsächlich um einen antiamerikanischen Schlag einer islamischen oder arabischen oder aus beiden Elementen gemischten Gruppe handelt. Vielleicht steckt der nicht nur wegen seiner anti-amerikanischen Rhetorik gefürchtete saudi-arabische Multi-Millionär Osama Bin Ladin dahinter. Zu Trauer, Wut und Schrecken kommt in aller Welt das Gefühl der Hilflosigkeit. Gegen Terroristen, die mit Messern bewaffnet Passagierflugzeuge kidnappen und mit den Passagieren zusammen als lebende Kerosinbomben in Gebäude rasen, helfen weder Raketen noch Computer, noch anscheinend teure Geheimdienste. Kein Staat der Welt kann darauf verzichten, die Schuldigen zu suchen und mitzusuchen. Aber man muss kein Prophet sein, um die Folgen für unser aller Zusammenleben zu fürchten - sollte sich die These vom mittelöstlichen Hintergrund des Terrors erhärten lassen. Der unsichtbare Gegner ist kein Staat und keine Religion, aber die Weltgegend, aus der die Terroristen kommen ist der Nahe Osten und die Täter sind Muslime. Auch wenn deren Auffassung von Islam eine Karikatur dessen ist, was der Islam den meisten Muslimen bedeutet - die arabische Straße in Ost-Jerusalem und Baghdad feiert die Terroristen und das Massaker. Die Gründe für diesen Hass haben mit Religion kaum etwas zu tun. Aber Differenzierungen sind im Augenblick wenig gefragt. Ich habe Angst davor, dass jetzt das Modell "Krieg der Kulturen" neue Konjunktur bekommt. Dass Muslime und Araber weltweit pauschal verdächtigt werden. Dass der Nahostkonflikt ausschließlich als Problem des palästinensischen Terrorismus definiert wird. Dass der amerikanische Präsident Rache übt, die Unschuldige trifft. Dass Politik abdankt. © WDR 2001
Todes-Boeings von Profis gesteuert?
Piloten-Verband: Keine Chance gegen Selbstmordkommandos
Rissen Profis das Steuer der vier Boeings über Amerika an sich, um mit unschuldigen Passagieren in den Tod zu fliegen? Oder waren es fanatische Flug-Laien, deren Handwerk ausreichte, um die Maschinen in fliegende Bomben zu verwandeln? Noch gibt es nur Spekulationen über Täter und Drahtzieher. Nur eines lässt sich jetzt schon sagen, wenn man dem Mülheimer Fluglehrer Frank Achner glauben darf: "Das waren ausgebildete Piloten."
"Das schafft kein Flugschüler"
Achner ist Flugbetriebsleiter der Mülheimer "VHM Schul- und Charterflug", die künftige Piloten ausbildet, und ehemaliger Starfighter-Pilot. Er kennt die Bilder aus dem Fernsehen und ist sicher, dass da keine Laien am Werk waren: "Ein Anfänger hätte den Tower nicht getroffen, weil er Wendekreis und Flugverhalten dieser schweren Maschinen nicht kennt. Eine so präzise Kurve zu fliegen - das schafft kein Flugschüler nach 20 Stunden auf einer kleinen Cessna." Georg Fongern von der Pilotenvereinigung "Cockpit" widerspricht: "Sie müssen nur nach oben und unten, nach rechts und links steuern können und dann auf das Ziel zuhalten." Dazu brauche man noch nicht einmal einen Flugschein. Und wie man das Radar überliste, gehöre "vermutlich längst zum terroristischen Allgemeinwissen." Auch Professor Stefan Levedag, Direktor des Instituts für Flugsystemtechnik der DLR in Braunschweig, glaubt, dass nicht unbedingt ausgebildete Piloten die Maschinen gesteuert haben müssen. "Wahrscheinlich hat ein Pilot die Terroristen angeleitet, der Erfahrungen mit einer Boing hat". Und, so der Flugexperte, gute Flugsimulationsprogramm gebe es für jeden PC - dazu noch eine bisschen Anleitung - das könne reichen.
Teure Zusatzausbildung
Flugsimulator; Rechte: dpa Boeings können auch ausgebildete Verkehrspiloten erst nach einer weiteren Qualifizierung fliegen. Große Gesellschaften wie Lufthansa haben eigene Simulatorbetriebe; VHM schickt Piloten, die Boeings beherrschen wollen, zu "Flight Safety Boeing". Die Hamburger Firma mit Simulatoren auf Mallorca, in Seattle und London macht sie mit der hochkomplizierten Technik vertraut. "Sie müssen lernen, wie die Steuerung abläuft, wie das Hydrauliksystem funktioniert, wie sie sich verhalten müssen, wenn ein Triebsatz ausfällt", erklärt Heinrich Gross-Bongardt.
Keine Kontrolle nach der Ausbildung
Nicht alle Piloten gehen anschließend in den Liniendienst. Ob sie dann für Privatfirmen fliegen oder auch für "vermögende Enthusiasten", wie Gross-Bongardt sie nennt, darüber gibt es keine Kontrolle. Vor der Ausbildung werden Kandidaten auf ihre Tauglichkeit getestet, was sie mit der Ausbildung machen, ist einigen Firmen egal. Flug-Kollege Achner sieht da eine Sicherheitslücke: "Da sind manche Firmen in der Tat etwas lasch."
Keine Do-it-yourself-Ausbildung
Flugsimulator; Rechte: dpa Nachrichtenagenturen meldeten heute, die US-Polizei habe ein Mietauto sichergestellt - mitsamt einer Fluganleitung für Piloten, verfasst auf Arabisch. Einer der Verdächtigen ist ausgebildeter Pilot, so die Meldung. Außerdem fand sich Gepäck mit einem Video über das Fliegen kommerzieller Flugzeuge und eine Berechnungsgrundlage für den Benzinverbrauch. Wäre es also denkbar, dass jemand die offizielle Boeing-Ausbildung umgeht, lediglich eine Grundausbildung absolviert und sich dann mit Hilfe von Handbüchern und Software weiterbildet? Schließlich können Trainingsunterlagen gestohlen werden. Und auf dem freien Markt gibt es Programme für Flugsimulatoren, die jeder kaufen kann - auch für die New Yorker Unglücksmaschine Boeing 767. Eine Vermutung, die Achner nicht teilt. Er ist sicher, dass die Terroristen am System einer Boeing ausgebildet wurden. "Sie wussten ja, wie der Autopilot abgeschaltet wird. Anders hätten sie die Maschine nicht in den Tower steuern können."
"In den Tower fliegen - das macht kein Pilot"
Achner kann sich das dramatische Geschehen im Cockpit der Todesmaschine gut vorstellen. "Die müssen die Piloten erschossen haben. In den Tower fliegen - das macht kein Pilot, auch nicht mit Pistole am Kopf. Der lässt lieber die Maschine ins Wasser stürzen, um Schlimmeres zu verhüten." Eine Vermutung, die "Cockpit"-Sprecher Georg Fongern teilt: "Falls die Piloten noch am Steuer saßen, hätten sie versuchen können, im letzten Moment an den Türmen vorbeizuziehen."
Keine Chance gegen Selbstmordkommandos
Das Sicherheitstraining ist fester Bestandteil jeder Ausbildung. Die Piloten üben ständig, die Sitaution zu deeskalieren und die Angreifer zu beruhigen. Grundgedanke dieser Sicherheitsstrategien: "Der will auch heil raus.". Dass das funktioniere, habe sich an zahlreichen Entführungen mit glücklichem Ausgang gezeigt, so Fongern. Selbstmordkommandos wie die in den USA seien aber von völlig anderer Qualität: "Dagegen kann sich die Crew so gut wie nicht wehren." Mehr zum Thema Vereinigung Cockpit Homepage der Pilotenvereinigung Boeing Die technischen Daten verschiedener Boeing-Maschinen © WDR 2001
Osama Bin Laden in Verdacht
Polizei stürmt Bostoner Hotel
Osama Bin Laden begrüßte die Attentate;
Die Suche nach den Verantwortlichen für die Terrorangriffe auf das World Trade Center und das Pentagon läuft auf Hochtouren. Viele Spuren führten zu dem aus Saudi-Arabien stammenden Millionär Osama Bin Laden, heißt es in US-Regierungskreisen. Man sei zu "90 Prozent" sicher. Auch die Geheimdienste in Großbritannien, Frankreich und Israel haben ähnliche Hinweise, erklärte Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier in Berlin. Doch bewiesen ist die Beteiligung Osama bin Ladens an den Attentaten nicht. In einem Interview mit einer pakistanischen Zeitung hat Osama Bin Laden jegliche Verantwortung für die Anschläge zurückgewiesen. Er sehe jedoch in der Terrorwelle eine legitime Reaktion auf die Politik der USA. Die Zeitung gibt an, nicht direkt mit Bin Laden gesprochen zu haben. Vielmehr habe sie eine Erklärung von dem Terroristen erhalten. Mehr Informationen über Afghanistan und Osama Bin Laden Das FBI-Gebäude in Washington; Rechte: dpa
Spezialkommandos in Florida und Boston
Polizei-Kommandos haben nach CNN-Angaben am Mittwoch ein Bostoner Hotelzimmer untersucht. Mindestens eine Person wurde abgeführt. Ob es sich einen Zeugen oder Verdächtigen handelt, ist unklar. Auch in Südflorida soll es zu Festnahmen gekommen sein. Darüber hinaus liefen Ermittlungen in einer Flugschule. Das FBI hatte zuvor die Passagierlisten der vier entführten Flugzeuge geprüft und stieß dabei auf die Namen von fünf verdächtigen Männern arabischer Abstammung. Die US-Behörden gehen davon aus, dass mindestens jeweils ein Terrorist in den entführten Maschinen eine Pilotenausbildung hatte. Zwei der Verdächtigen kamen aus Portland im Bundesstaat Maine. Sie stiegen in Boston in eine der entführten Maschinen um. Eine ihrer Reisetaschen verpaßte den Anschlußflug. In dem Gepäckstück entdeckten die Fahnder einen Koran, ein Unterrichtsvideo für angehende Piloten und einen Rechner, mit dem sich auch der Bedarf an Flugbenzin errechnen läßt. Nach einem Bericht der "Boston Herold" wurde in Boston ein Mietwagen sichergestellt, der nun von den Ermittlern zerlegt wird. In dem Auto wurden Flug-Handbücher in arabischer Sprache gefunden.
Stühle nach DNA untersucht
Das FBI fahndet derzeit nach mindestens zwei weiteren Mietfahrzeugen. Auch ein ehemaliger Student der angesehenen Embry Riddle University steht unter Verdacht mit den Anschlägen in Verbindung zu stehen. In seinem Auto wurden ein Foto von Osama Bin Laden und Flughandbücher gefunden. Das FBI geht jeder Spur nach. Am Flughafen in Boston wurden sogar die Stühle sichergestellt, auf denen die Entführer gesessen haben sollen. Diese Stühle sollen nun auf DNA Spuren hin untersucht werden. World Trade Center brennt; Rechte: ARD
Alle Telefonanrufe werden abgehört
Details über das Vorgehen der Geheimdienste werden derzeit nicht preisgegeben. Der Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom geht davon aus, dass vom amerikanischen Inlandsgeheimdienst FBI alle Einreisen in die USA der letzten drei Monate überprüft werden. Die strenggeheime National Security Agency (NSA), für die internationale Kommunikationsüberwachung zuständig, "wird alle Bänder mit Telefonanrufe aus dem arabischen Raum der letzten drei Monate abhören", sagte Schmidt-Eenboom wdr.de. Die Gespräche werden von Computern automatisch auf Signalwörter geprüft, die auf einen Terroranschlag hinweisen könnten. In einem zweiten Schritt werden die Bänder von Computern mit "künstlicher Intelligenz" geprüft, die eine ausgefeiltere Textanalyse erlaubt. Diese Technik wurde nach Angaben Schmidt-Eenbooms erst vor wenigen Monaten vom NSA angeschafft.
Geheimdienste in der Kritik
Die amerikanischen Geheimdienste sind in die Kritik geraten. Nach Angaben amerikanischer Politiker gab es keinerlei Hinweise auf die bevorstehenden Angriffe. Weder Spionage-Satelliten, noch das gefürchtete Abhörnetzwerk Echelon konnten das Massaker verhindern. Und das trotz der gewaltigen personellen und finanziellen Macht der Geheimdienste. Der amerikanische Senat stellt ihnen jährlich einen Etat von rund 66 Milliarden Mark zur Verfügung. Trotzdem werde es einen "perfekten Geheimdienst nie geben", sagte der stellvertretende Vorsitzende des Senatsausschusses für Geheimdienste, Senator Richard Shelby. "Aber ein solches Versagen können wir nicht durchgehen lassen". Dr. August Hanning, Leiter des BND; Rechte: dpa
BND informiert den Kanzler
Der deutsche Bundesnachrichtendienst will sich derzeit nicht zu einer möglichen Zusammenarbeit mit den amerikanischen Behörden äußern. Alle wichtigen Ermittler und Entscheidungsträger seien in Berlin, um die Bundesregierung mit Informationen zu versorgen, teilte eine Sprecherin der Behörde wdr.de mit. Der Leiter des BND, Dr. August Hanning, und weitere Mitarbeiter hielten sich zum Zeitpunkt der Terrorattacken auf die USA am Dienstag Nachmittag in Berlin zu einem Hintergrundgespräch für Journalisten auf. Thema: "Der internationale Terrorismus". © WDR 2001
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