Anschläge auf World Trade Center und Pentagon

Angriff auf Afghanistan: Briten sprechen von erfolgreichem Angriff

Montag, 8. Oktober 2001

Knapp vier Wochen nach dem Anschlag auf das World Trade Center und das Pentagon hat jetzt der Militärschlag gegen die Taliban begonnen. Die USA und Großbritannien flogen mehrere Luftangriffe auf afghanische Städte. Mindestens 25 Menschen sollen dabei laut Taliban getötet worden sein.

Islamabad/Washington - Der Taliban-Gesandte in Pakistan, Abd al-Salam Saif, beschrieb die Angriffe als "gewaltig". "Es hat Tote gegeben", sagte er der Nachrichtenagentur AP. Eine Zahl wollte er nicht nennen. Es war zunächst nicht klar, woher Saif seine Informationen bezog. Er wollte nicht sagen, wo sich die Todesfälle ereignet haben sollen.

Der britische Außenminister Jack Straw erklärte am Montagmorgen in London, die Angriffe hätten "erheblichen Schaden an den Zielen - nicht neben den Zielen" verursacht. Er habe mit Uno-Generalsekretär Kofi Annan gesprochen und ihm versichert, dass bei den Angriffen sehr sorgfältig gezielt werde und die Aktionen angemessen sein müssten. Unter den an den Angriffen beteiligten britischen Soldaten habe es keine Toten gegeben, sagte Straw.

Die amerikanischen und britischen Angriffe richteten sich gegen mindestens drei Städte: Kabul, Kandahar und Dschalalabad. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte in Washington, beschossen worden seien Positionen der Taliban-Regierung und der Organisation des Terrormäzens Osama Bin Laden, al-Qaida. Dabei seien Marschflugkörper, Kampfflugzeuge und Tarnkappen-Bomber eingesetzt worden.

Nach Angaben der Taliban überlebten ihr Oberhaupt Mullah Mohammad Omar und Bin Laden die Angriffe. Bin Laden drohte den USA in einem vorab aufgezeichneten Video, sie würden nicht in Frieden leben, bevor nicht Frieden in Palästina herrsche. ( Siehe Dokumentation der Bin-Laden-Erklärung! )

In Kabul begannen die Angriffe nach Angaben der Einwohner am Sonntag gegen 18.20 Uhr (MESZ), kurz nach Beginn der nächtlichen Ausgangssperre. Die afghanische Nachrichtenagentur AIP meldete, zehn Menschen seien nahe des Flughafens von Kabul, zehn weitere bei einer Explosion einer Bombe in der Innenstadt getötet worden. Einwohner Kabuls bestätigten, es habe Tote gegeben. Der Taliban-Sender Stimme der Scharia meldete indes, es habe keine Opfer in Kabul gegeben.

Augenzeugen berichteten, Explosionen hätten Kabul sowie die Städte Kandahar und Dschalalabad erschüttert. Tausende Einwohner flüchteten nach Ablauf der nächtlichen Ausgangssperre aus Kabul. "Ich gehe", sagte ein Einwohner am Morgen. "Lieber schlafe ich unter freiem Himmel, als eine weitere Nacht in der Stadt zu bleiben." In Kabul sind Augenzeugen zufolge mindestens vier Raketen oder Bomben in der Nähe des Verteidigungsministeriums eingeschlagen.

Nach den ersten Angriffen hätten erneut mehrere schwere Explosionen Kabul nahe des Flughafens erschüttert, sagte ein Augenzeuge. Wenige Minuten nach dem Angriff auf Kabul wurde die Hochburg der Taliban, Kandahar, Augenzeugen zufolge angegriffen. In der Stadt habe sich Panik breit gemacht. "Die Menschen versuchen wegzulaufen. Sie sind sehr verängstigt und fürchten sich", sagte ein Einwohner. Der Flughafen wurde nach Taliban-Angaben angegriffen. Das Ausmaß der Schäden sei noch nicht bekannt.

Rumsfeld sagte, Ziel der Angriffe sei zunächst, das militärische Kräfteverhältnis zu Gunsten der afghanischen Opposition zu verändern. Kurz nach Beginn der Angriffe gegen Afghanistan griff die Nordallianz Positionen der Taliban etwa 40 Kilometer nördlich von Kabul an. US-Flugzeuge warfen dem US-Verteidigungsministerium zufolge über Afghanistan 37.500 Pakete mit Nahrungsmitteln für die Bevölkerung ab. Die Pakete enthielten Reis, Gemüse, Früchte und andere Lebensmittel.

US-Präsident George W. Bush sagte in einer Fernsehansprache am Sonntag , die Angriffe würden "unablässig, umfassend und unerbittlich" sein. Die Taliban zahlten den Preis dafür, dass sie Bin Laden unterstützt und beschützt hätten. "Mit der Zerstörung von Lagern und der Unterbrechung der Kommunikation werden wir es für das Terrornetz schwieriger machen, neue Rekruten auszubilden und ihre bösen Pläne zu koordinieren." Bush sagte zudem, Deutschland, Frankreich, Kanada und Australien hätten zugesagt, im Verlauf des Einsatzes Kräfte zur Verfügung zu stellen.

Krisentreffen in Kabul

Das Kabinett der Taliban kam nach Angaben aus Regierungskreisen nach den US-Luftangriffen am Montag in Kabul zu einem Krisentreffen zusammen. Aus dem Informationsministerium verlautete, es werde die Lage nach den nächtlichen Angriffen besprochen. Berichte, wonach die oppositionelle Nordallianz die Angriffe der USA und Großbritanniens für ein Vorrücken im Bürgerkrieg genutzt habe, wurden in den Kreisen dementiert.

Die führenden westlichen Industrienationen und Russland begrüßten die Offensive der USA und Großbritannien. In Berlin bekräftigte Bundeskanzler Gerhard Schröder , die Bundesregierung unterstütze das Vorgehen "ohne Vorbehalte". China drückte indirekt Unterstützung aus. China lehne Terrorismus in jeder Form ab und hoffe, dass die relevanten Militärschläge gegen Terrorismus gezielt ausgeführt und so Zivilisten verschont würden, teilte das Außenministerium der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge mit. Kritik hingegen kam aus Iran, Irak sowie von der radikalislamischen Palästinenser- Organisation Hamas.

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Internationale Presse: "Ein langer Krieg" ---------------------------------------------------------------------

Unterschiedliche Reaktionen folgen dem US-Gegenschlag in Afghanistan aus dem Ausland. Eine Presseschau.

Die konservative französische Tageszeitung "Le Figaro":

"Es hat nicht mal ein Jahr bis zum ersten großen Krieg des 21. Jahrhunderts gedauert. Ein Krieg neuer Art, denn er wird nicht gegen ein Land, sondern gegen eine Ideologie und die Praxis des Terrorismus geführt, der am 11. September mit einer bisher nicht gekannten Gewalt zugeschlagen hat. Die Angriffe, auch wenn sie gezielt waren, werden nicht das schnelle Ende der Feinde der Demokratie bewirken. Die gefährlichste Illusion wäre zu glauben, dass man den Terrorismus ausschalten kann, nur weil man es so entschieden hat."

Die linksorientierte Budapester Tageszeitung "Nepszabadsag":

"Die Aktion bedeutet keine endgültige Befriedung und auch keine Liquidierung des internationalen Terrorismus. Nicht nur wegen eventueller Racheaktionen, sondern auch wegen der langfristigen Interessen, um die es hier geht. Im mittleren Asien befinden sich die größten unerschlossenen Kohlenwasserstoffvorkommen. Damit die Welt an sie herankommt, muss die Region befriedet, müssen Pipelines von den Öl- und Erdgaslagerstätten zu den Häfen verlegt werden."

Die spanische Zeitung "El Mundo" aus Madrid:

"Es bestehen ernsthafte Zweifel, ob die nun begonnenen Operationen dazu angetan sind, der terroristischen Gefahr ein Ende zu setzen und Leuten wie Bin Laden das Handwerk zu legen. Die Vorbehalte sind nicht moralischer, sondern praktischer Art. Die von US-Präsident George W. Bush gestarteten Angriffe sind völlig gerechtfertigt. Aber die Eroberung Afghanistans gelang weder Alexander dem Großen noch den Briten und auch nicht den Russen."

Die niederländische christliche "Trouw":

"Bin Laden lässt sich bestimmt nicht ohne weiteres ausschalten. Man muss sogar damit rechnen, dass Terroristen die Militäraktion zum Vorwand für neue Anschläge nehmen. Aber dadurch darf sich die Welt - und diesmal handelt es sich dank der Haltung Russlands nicht nur um die westliche Welt - nicht zu gewaltloser Passivität lähmen lassen."

Die konservative "Telegraaf" aus den Niederlanden:

"Die Welt steht vor einer schwierigen Zeit. Soldaten werden bei den Aktionen ebenso umkommen wie unschuldige Zivilisten. Unter den Umständen ist dies unvermeidbar und kein Grund zum Zögern. Nach den ersten Militäraktionen in Afghanistan muss weltweit der Terrorismus aufgerollt werden. Erst dann ist Rückkehr zur Normalität möglich."

Die liberale österreichische Zeitung "Der Standard":

"So nötig eine weltweite Allianz und ein internationales Vorgehen gegen den Terror geworden ist: Was unter dem Titel 'Solidarität' abläuft, hat eine tiefe Schattenseite - die Sanktionierung staatlichen Terrors und das Akzeptieren von Militärherrschaft. Keine laute Kritik mehr an den Übergriffen der russischen Armee in Tschetschenien, keine wirklichen Fragezeichen hinter der so genannten Nordallianz, keine Reserven mehr gegenüber Pakistan. Daher die akute Gefahr, dass man erneut (wie im Falle Saddam Husseins oder der Taliban selbst) mit Milliarden künftige Feinde züchtet und neue Krisenherde schafft."

Die "Basler Zeitung" aus der Schweiz:

"Die Aktion sei sorgfältig geplant, hat Präsident Bush versichert. Nur sind die Risiken einer solchen Militäraktion auch bei größter Präzision enorm. In der moslemischen Welt dürften Bilder von zerstörten Häusern und toten Zivilisten in Afghanistan die ohnehin latente antiamerikanische Stimmung schüren."

Die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera":

"Man muss US-Präsident Bush zugestehen, den Feldzug mit einem außergewöhnlichen Sinn für Selbstkontrolle und Ausgewogenheit vorbereitet zu haben. Damit hat er ihn als einen gerechten Krieg legitimiert, vom Gesetz und nicht von Rache geprägt. Fast einen Monat lang, wie er in seinem rührenden Appell an die Nation erinnert hat, hatte Bush den Taliban die Möglichkeit gegeben, Afghanistan mit der Übergabe von Bin Laden eine schreckliche Strafe zu ersparen."

Die konservative polnische Zeitung "Rzeczpospolita":

"Auf den Angriff auf Afghanistan wurde schon lange gewartet. Die Taliban müssen als Beschützer von Terroristen bestraft werden. So denken nicht nur die Amerikaner. So denken fast alle. Es ist zu erwarten, dass die Terroristen nicht die Waffen niederlegen, dass wir mit vielen Drohungen konfrontiert werden. Aber die zivilisierte Welt muss in diesem Moment an der Seite der Vereinigten Staaten sein."

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--------------------------------------------------------------------- Angriff auf Afghanistan: Geballte Streitmacht ---------------------------------------------------------------------

An den ersten Militäreinsätzen gegen Afghanistan waren nach Angaben von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld 40 see- und landgestützte Flugzeuge beteiligt. Zwei B-2-Tarnkappenbomber kamen direkt aus den USA.

Washington - Unter Berufung auf das Pentagon listete der Nachrichtensender CNN das Waffenarsenal der USA für die ersten Angriffswellen am Sonntag auf:

Zwei B-2-Tarnkappenbomber flogen vom US-Luftwaffenstützpunkt Whiteman in Missouri. Sie warfen über Afghanistan von Satelliten geleitete Bomben ab und landeten anschließend auf dem britischen Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean. Der Marine- und Auftankstützpunkt liegt auf einer 44 Quadratkilometer großen Insel. Bereits während des Golfkrieges starteten von hier aus B-52-Bomber.

B-1 und B-52-Langstreckenbomber starteten zu Angriffen von Diego Garcia aus. Die B-1 fliegen mit Überschallgeschwindigkeit, eine Tankfüllung ermöglicht eine Reichweite von 9800 Kilometer. Sie haben Marschflugkörper, Raketen und Bomben an Bord. Die B-52 fliegen 14.000 Kilometer ohne aufzutanken; sie können knapp 32 Tonnen Waffen befördern: Bomben, Raketen und Minen.

25 Angriffsflugzeuge stiegen von den atomgetriebenen Flugzeugträgern "USS Carl Vinson" im Persischen Golf und der "USS Enterprise" im Arabischen Meer auf. Die von zwei Atommeilern angetriebene "Vinson" hat 5600 Seeleute an Bord und 90 Flugzeuge auf Deck. Sie wurde 1983 in Dienst gestellt. Die "Enterprise" lief 1961 vom Stapel und hat Platz für 85 Flugzeuge. An Board sind 5800 Marinesoldaten. Die Energieversorgung wird durch acht Reaktoren sichergestellt.

50 Tomahawk-Marschflugkörper wurden von vier Schiffen und zwei U-Boten aus abgeschossen. In der Region befinden sich der Kreuzer "USS Philippine Sea", die Zerstörer "USS O'Brien", "USS John Paul Jones" und "USS McFaul" sowie die U-Boote "USS Providence" und die britische "HMS Trafalgar".

Unterdessen stehen für den Schlag gegen den mutmaßlichen Terroristen-Anführer Osama bin Laden unter anderem in der Krisenregion am Persischen Golf das Waffenarsenal von drei Flugzeugträgerverbänden und Hunderte Flugzeuge bereit. Strategisch wichtig für den Schlag gegen Afghanistan sind außerdem die amerikanische Luftwaffenbasis in Oman im Südosten der arabischen Halbinsel sowie die kürzlich erfolgte Stationierung von US-Truppen in Usbekistan.

Die USA haben nach Angaben von Präsident George W. Bush bislang 29.000 Mann, zwei Trägerverbände, eine amphibische Einheit und mehrere hundert Flugzeuge an die militärische Front der Operation "Dauerhafte Freiheit" beordert. Zum Arsenal gehören neben den beiden Flugzeugträgern jeweils mehr als ein dutzend Begleitschiffe und Kampfmaschinen der Typen F-14 und F-18. Zu ihrer Verstärkung im Anmarsch sind die Träger "Theodore Roosevelt" und "Kitty Hawk".

Zu Lande haben die US-Streitkräfte das in Afghanistan vermutete Versteck von Bin Laden mit einer Reihe von Stützpunkten von der östlichen Türkei über die arabische Halbinsel bis Diego Garcia im Indischen Ozean eingekreist. Im Innern des Landes können Spezial-Vorauskommandos der Amerikaner wie die "Delta Force" auf direkte militärische Hilfe der so genannten Nordallianz zählen. In das mittelasiatische Usbekistan haben die Amerikaner ein auf 1000 Mann verstärktes Bataillon verlegt.

Zum Arsenal der US-Luftwaffe zählen neben den B-52 und B-1 und dem Tarnkappenbomber B-2 auch "Thunderbolt"-Maschinen, "Black Hawk"- und "Apache"-Hubschrauber für den Erdkampf, Douglas-Tankflugzeuge, U-2- und Boeing-Aufklärer sowie "Globemaster"-und "Galaxy"-Transporter. Als Speerspitze gelten Cruise Missiles, bis zu 1000 Kilometer weit reichende fliegende Bomben.

In der Luftwaffenbasis Thumrait in Oman lagern die USA große Mengen von Versorgungs- und Nachschubmaterial. Bereits seit Beginn der 80er Jahre sind US-Soldaten in dem Sultanat stationiert, derzeit etwa 700.

Großbritannien hat 24 Kriegsschiffe und 23.000 Mann zur Unterstützung der USA in Marsch gesetzt, das größte Aufgebot seit dem Golfkrieg 1991. Die größte Einheit ist der Flugzeugträger "Illustrious", der mit "Harrier"-Jets und Hubschraubern an Bord in Salalah im Süden Omans festgemacht hat. Das U-Boot "Trafalgar" soll sich bereits in den Golfgewässern befinden, die "Triumph" ist auf dem Weg dorthin. Viele Stützpunke an Land - von Incirlik in der Türkei bis Diego Garcia - werden von Engländern und Amerikanern gemeinsam genutzt. Zum an Land stationierten Fluggerät zählen "Tornado"- Kampfmaschinen, Tank- und Spionageflugzeuge. Als Spezialkommando halten die Briten ihre oft bewährte Anti-Terror-Einheit "Special Air Service" (SAS) bereit.

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--------------------------------------------------------------------- Humanitäre Hilfe: US-Flugzeuge werfen Lebensmittel ab ---------------------------------------------------------------------

Das amerikanische Militär hat tausende Lebensmittelpakete über Afghanistan abgeworfen. Die Vereinten Nationen bereiten sich auf Flüchtlingsströme vor.

Washington - Im Rahmen der amerikanischen Militäraktion in Afghanistan sind auch Maschinen vom US-Luftwaffenstützpunkt in Ramstein (Rheinland-Pfalz) gestartet. Zwei Maschinen von Typ C-17 hätten über Afghanistan 37.000 Tagesrationen mit Nahrungsmitteln und Medikamenten abgeworfen, gab das amerikanische Verteidigungsministerium bekannt.

Die Pakete enthalten eine fleischlose Mahlzeit, die dem Tagesbedarf eines Erwachsenen entspricht. Dem Päckchen beigefügt ist eine Nachricht, dass die Lebensmittel eine Spende des amerikanischen Volkes sei. Auf der Verpackung ist eine US-Flagge abgebildet. Die Abwürfe sollen in den nächsten Tagen fortgesetzt werden.

"Dies ist nur der erste Teil der 320 Millionen Dollar an Hilfen, die der Präsident dem afghanischen Volk versprochen hat", sagte Verteidigungsminister Rumsfeld. US-Präsident Bush hatte das Militär angewiesen, die Angriffe mit humanitären Maßnahmen zu flankieren.

Nach Angaben des Luftwaffengenerals Richard Myers werden die Notrationen über schwer zugänglichen Gebirgsregionen abgeworfen. Die Hilfe sei für die Flüchtlinge bestimmt, die von Afghanistan in die Nachbarländer Pakistan, Iran, Tadschikistan, Usbekistan und Turkmenien zu fliehen versuchen.

Zuletzt hatte die NATO während des Kosovo-Krieges Hilfslieferungen aus der Luft abgeworfen. Die Erfolge dabei waren allerdings bescheiden. Laut Myers setzt die Air Force diesmal aber auf eine neue Technik, die einen gezieltere und sicheren Abwurf ermöglicht.

Außerdem flogen Kampfflugzeuge über das Land, die eine Botschaft an die Taliban und ihre Gegner funkten. Darin hieß es, die Angriffe richteten sich gegen Terroristen und nicht gegen das afghanische Volk.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind etwa ein Viertel der 24 Millionen Afghanen von Lebensmittelhilfe abhängig. Die Uno bereitet sich nun auf einen großen Flüchtlingsstrom aus Afghanistan vor. In der pakistanischen Grenzregion werden Zeltstädte aufgebaut.

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--------------------------------------------------------------------- Taliban: 45.000 Mann unter Waffen ---------------------------------------------------------------------

London - Die Milizen der Taliban-Regierung in Afghanistan haben nach einer Analyse der Militärexperten von Jane's (London) 45.000 Mann unter Waffen. Sie verfügen über 650 Kampfpanzer und gepanzerte Fahrzeuge sowie über 76 Flugzeuge, darunter etwa 15 Kampfjets. Die Milizen sind mit Standard-Infanteriewaffen, in erster Linie AK-47 Kalaschnikows, sowie Maschinengewehren, Raketenwerfern, Mörsern und anderen Artilleriewaffen ausgerüstet.

Für die Luftabwehr seien die Milizen mit tragbaren Raketen gerüstet, unter anderem vom Typ "Stinger", die die USA in den achtziger Jahren der Opposition gegen die sowjetischen Besatzer geliefert hatten. Die fünf MiG-21 und zehn Su-22-Kampfflugzeuge sowie fünf Angriffshubschrauber vom Typ Mi-35 "Hind" stammen sämtlich aus sowjetischer Produktion.

Bei der Einsatztauglichkeit der Ausrüstungen seien Zweifel angebracht, betonten die Jane's-Experten. In der Hauptstadt Kabul seien nach der Kampfpause des Winters jedoch Kampffahrzeuge "in gutem Zustand" gesichtet worden. Es sind überwiegend sowjetische T-62 und ältere T-54/55, zum Teil im Bürgerkrieg gegen die Nordallianz erbeutet.

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--------------------------------------------------------------------- Bin-Laden-Erklärung: "Der Sturm des Glaubens ist gekommen" ---------------------------------------------------------------------

Wenige Minuten nach dem Angriff der USA gegen Ziele in Afghanistan hat der Fernsehsender Al-Dschasira des Golfemirats Katar ein Video mit einer Rede Osama Bin Ladens gezeigt. Lesen Sie die Erklärung des Terroristenführers im Wortlaut.

"Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt, und Mohammed ist sein Prophet.

Da ist Amerika, von Gott getroffen an einer seiner empfindlichsten Stellen. Seine größten Gebäude wurden zerstört, Gott sei Dank dafür. Da ist Amerika, voll Angst von Norden nach Süden, von Westen nach Osten. Gott sei Dank dafür.

Was Amerika jetzt erfährt, ist unbedeutend im Vergleich zu dem, was wir seit etlichen Jahren erfahren. Unsere Gemeinschaft erfährt diese Erniedrigung und diese Entwürdigung seit mehr als 80 Jahren. Ihre Söhne werden getötet, ihr Blut wird vergossen, ihre Heiligtümer werden angegriffen, und niemand hört es und niemand nimmt Notiz.

Als Gott eine der Gruppen des Islams segnete, Speerspitzen des Islams, zerstörten sie Amerika. Ich bete zu Gott, dass er sie erhöhen und segnen möge. Während ich spreche, werden Millionen unschuldiger Kinder getötet. Sie werden in Irak getötet, ohne Sünden zu begehen, und wir hören keine Verurteilungen oder eine Fatwa von der Führung. Dieser Tage suchen israelische Panzer Palästina heim - in Dschenin, Ramallah, Rafah, Beit Dschalla und an anderen Orten im Land des Islams, und wir hören niemanden, der seine Stimme erhebt oder sich einen Schritt bewegt.

Wenn das Schwert niedergeht, nach 80 Jahren, richtet die Heuchelei ihr hässliches Haupt auf. Sie trauern und sie klagen um diese Mörder, die das Blut, die Ehre und die Heiligtümer der Muslime missbraucht haben. Das Geringste, was man über diese Leute sagen kann, ist, dass sie verderbt sind. Sie sind der Ungerechtigkeit gefolgt. Sie haben dem Schlachter den Vorzug vor dem Opfer gegeben, dem Unterdrücker vor dem unschuldigen Kind. Möge Gott ihnen seinen Zorn zeigen und ihnen geben, was sie verdienen.

Ich sage, dass die Lage klar und offensichtlich ist. Nach diesem Ereignis, nachdem die Regierungsvertreter in Amerika gesprochen haben, angefangen mit dem Anführer der Ungläubigen weltweit, Bush, und seiner Begleiter, sind sie mit Macht mit ihren Männern angetreten und haben sogar Länder, die zum Islam gehören, zu diesem Verrat bewogen, und sie wollen Gott ihre Kehrseite zeigen, um den Islam zu bekämpfen, um Menschen im Namen des Terrorismus zu unterdrücken.

Als Menschen am Ende der Welt, in Japan, zu Hunderttausenden getötet wurden, Junge und Alte, wurde das nicht als Kriegsverbrechen betrachtet, sondern es gilt als etwas, das gerechtfertigt ist. Millionen Kinder in Irak, auch das ist etwas, das gerechtfertigt ist. Aber wenn sie Dutzende Menschen in Nairobi und Daressalam verlieren, wird Irak angegriffen und Afghanistan angegriffen. Die Heuchelei stand mit ganzer Macht hinter dem Anführer der Ungläubigen weltweit, hinter den Feiglingen dieses Zeitalters, Amerika und denen, die auf dessen Seite sind.

Diese Ereignisse haben die ganze Welt in zwei Lager geteilt: das Lager der Gläubigen und das Lager der Ungläubigen, möge Gott euch von ihnen fernhalten. Jeder Muslim muss danach drängen, seiner Religion zum Sieg zu verhelfen. Der Sturm des Glaubens ist gekommen. Der Sturm der Veränderung ist gekommen, um die Unterdrückung von Mohammeds Insel auszumerzen, Friede sei mit ihm. An Amerika und sein Volk richte ich nur wenige Worte. Ich schwöre bei Gott, der den Himmel ohne Säulen errichtet hat, weder Amerika noch die Menschen, die dort leben, werden von Sicherheit träumen, bevor wir diese in Palästina erleben, und nicht bevor alle ungläubigen Armeen das Land Mohammeds verlassen, Friede sei mit ihm.

Gott ist groß, möge der Stolz mit dem Islam sein. Möge Frieden und Gottes Gnade mit euch sein."

Inoffizielle Übersetzung der Nachrichtenagentur AP

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--------------------------------------------------------------------- Demonstrationen: Friedliche Proteste gegen US-Angriffe ---------------------------------------------------------------------

Einige hundert Menschen haben am Sonntagabend in mehreren deutschen Städten spontan gegen die US-Militäraktion demonstriert. Etwa hundert Menschen hätten sich in Köln versammelt und Kerzen vor dem Amerikahaus aufgestellt, berichtete die Polizei. Auch in Bonn seien etwa hundert Demonstranten durch die Straßen gezogen, in Münster und Dresden seien jeweils rund 50 Menschen zusammengekommen.

In Hamburg hatten sich am späten Abend zunächst rund 25 Anhänger der linken Szene vor dem alternativen Veranstaltungszentrum "Rote Flora" im Schanzenviertel versammelt. Anschließend sei die Menge auf ihrem Weg in Richtung Altona auf rund hundert Menschen angewachsen, berichtete ein Sprecher. Die Demonstration sei "vollkommen friedlich" verlaufen.

Rund 100 Rechtsextreme unter Führung des NPD-Anwaltes Horst Mahler zogen durch Berlin. Die Demonstration war nach den Angriffen auf Afghanistan am Sonntagabend erst kurz vor 21.00 Uhr angemeldet worden, berichtete die Polizei. NPD-Anwalt Mahler hatte die Attentate in New York und Washington, die offenbar von Anhängern des als Top-Terroristen gesuchten Osama bin Laden verübt wurden, vor kurzem als "eminent wirksam und damit rechtens" begrüßt.

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