Nachfolgend eine Chronik der Ereignisse seit dem 11. September:
11. September: Im Abstand von 18 Minuten steuern Terroristen zwei Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers in New York. Beide Hochhaustürme stürzen ein und begraben über fünftausend Menschen unter sich; an Bord der beiden Maschinen kommen mehr als 150 Menschen ums Leben. Ein drittes Flugzeug lassen die Terroristen auf das Verteidigungsministerium bei Washington stürzen; ein Teil des Pentagons stürzt ein. 189 Menschen werden getötet. Wenig später stürzt eine vierte Maschine bei Pittsburgh ab. Offenbar gab es an Bord der Maschine einen Kampf zwischen Entführern und Passagieren; 44 Menschen verlieren hier ihr Leben. Alle größeren Regierungsgebäude werden evakuiert. Präsident George W. Bush spricht von einem Terrorangriff auf die USA. Die Welt reagiert entsetzt auf die Anschläge.
12. September: Zum ersten Mal seit ihrem Bestehen stellt die Nato den kollektiven Verteidigungsfall unter der Prämisse fest, dass die Anschläge im Ausland geplant wurden. Das Bündnis betrachtet die Terroranschläge in den USA als Angriff auf alle Mitglieder.
13. September: Weltweit läuft die Fahndung nach den Urhebern der Terroranschläge. Der seit 1996 in Afghanistan lebende islamische Extremist Osama bin Laden wird von US-Außenminister Colin Powell öffentlich als Hauptdrahtzieher genannt. Pakistan signalisiert den USA seine Unterstützung für eine Militäraktion.
14. September: In der ganzen Welt wird mit Schweigeminuten der Opfer gedacht. Bush besucht die Einsatzhelfer, die unter den Trümmern des World Trade Centers nach Überlebenden suchen. Er ruft den nationalen Notstand aus und ermächtigt damit das Verteidigungsministerium, 50 000 Reservisten einzuberufen. Das Justizministerium veröffentlicht eine Liste mit den Namen von 19 mutmaßlichen Terroristen. Der US-Kongress stimmt für einen Militäreinsatz. Für die Beseitigung der Schäden in New York und Washington sowie für neue Anti-Terror-Maßnahmen werden 40 Milliarden Dollar bewilligt.
15. September: Bush bereitet die Bevölkerung auf einen bevorstehenden Krieg gegen den Terrorismus vor und nennt bin Laden als Hauptverdächtigen.
16. September: Powell stellt das afghanische Taliban-Regime vor die Wahl, Bin Laden auszuliefern oder mit Vergeltung zu rechnen. Bush erklärt: "Dieser Kreuzzug, dieser Krieg gegen den Terrorismus wird einige Zeit dauern."
17. September: Auf beiden Seiten der Grenze zwischen Pakistan und Afghanistan werden die Truppen verstärkt. Auf Wunsch der USA riegelt Pakistan die Grenze weitgehend ab. Eine pakistanische Delegation reist nach Kandahar zum Hauptquartier der Taliban-Regierung und bemüht sich um die Auslieferung bin Ladens.
18. September: Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen fordert die Taliban auf, Bin Laden auszuliefern. Bush relativiert seine Äußerungen bezüglich eines "Kreuzzugs" gegen den Terrorismus. Er habe dabei nicht an die historische Bedeutung im Sinne eines Religionskriegs gedacht.
19. September: Bush bittet die Regierungen in aller Welt um Hilfe im geplanten Feldzug gegen den Terrorismus. Das Verteidigungsministerium ordnet die Entsendung von Kampfflugzeugen auf Stützpunkte in der Golfregion an.
20. September: Bush fordert in seiner Grundsatzrede vor dem Kongress die Auslieferung Bin Ladens und seiner Gefolgschaft. Er ruft die Amerikaner zum entschlossenen Kampf gegen den internationalen Terrorismus auf und fordert die Welt zur Teilnahme an diesem Kampf auf.
21. September: Der Rat der afghanischen Geistlichen fordert die Taliban-Führung auf, Bin Laden zum freiwilligen Verlassen des Landes aufzufordern. Das Pentagon beordert weitere Einheiten der Luftwaffe an den Persischen Golf.
22. September: Aus dem Norden Afghanistans werden schwere Kämpfe zwischen Taliban und der Opposition gemeldet. Die Vereinigten Arabischen Emirate brechen die diplomatischen Beziehungen zu den Taliban ab. Das US-Verteidigunsministerium schickt weitere Luftwaffeneinheiten, Bomber, Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe in die Spannungsregion.
23. September: Die USA heben die Sanktionen gegen Pakistan auf. Auch die Strafmaßnahmen gegen Indien werden außer Kraft gesetzt.
24. September: Der russische Präsident Wladimir Putin kündigt an, dass Russland den Taliban-Gegnern in Afghanistan Waffen und Ausrüstung liefern will. Per Dekret lässt Bush das Vermögen von insgesamt 27 Einzelpersonen und Organisationen einfrieren. Pakistan zieht seine Diplomaten aus Kabul ab. Bin Laden ruft die Moslems in Pakistan zum Kampf gegen die "amerikanische Kreuzzugsstreitmacht" auf.
25. September: Bin Ladens Organisation El Kaida droht in einer in Pakistan verbreiteten Erklärung Amerikanern und Israelis in aller Welt mit Angriffen. Saudi-Arabien bricht alle Beziehungen zur Taliban ab. Die EU sagt Pakistan 20 Millionen Euro Soforthilfe zur Bewältigung des erwarteten Flüchtlingsstroms im Fall eines US-Angriffs auf Afghanistan zu.
26. September: Das US-Verteidigungsministerium legt eine Strategie vor, die darlegt, dass die USA die Anschläge vom 11. September mit einer langfristigen Kampagne gegen den internationalen Terrorismus vergelten und dafür eine globale Allianz bilden wollen.
27. September: Syrien kündigt Unterstützung im Kampf gegen den Terror an. Das Pentagon gestattet den Abschuss verdächtiger Zivilflugzeuge, wenn diese eine Gefahr für amerikanische Städte darstellen.
28. September: Einer zweiten pakistanischen Delegation gelingt es nicht, die Taliban zu einer Auslieferung Bin Ladens zu bewegen. Der UN-Sicherheitsrat verabschiedet einstimmig eine von den USA eingebrachte Anti-Terror-Resolution mit weit reichenden Maßnahmen. Weitere Länder bieten den USA ihre Hilfe an, darunter Jordanien, Australien, die Philippinen und Spanien.
29. September: Die USA versprechen der afghanischen Nordallianz ein umfangreiches Hilfspaket, falls sie das radikalislamische Taliban-Regime stürzt und Bin Laden ausliefert. Die Taliban bereiten die Bevölkerung auf die Verteidigung des Landes vor. Die zentralasiatischen Nachbarstaaten Afghanistans - Turkmenien, Usbekistan und Tadschikistan - bieten den USA ihre Hilfe im Kampf gegen den Terrorismus an.
30. September: Die US-Regierung lehnt erneut ab, mit den Taliban über eine Auslieferung Bin Ladens zu verhandeln. Der britische Premierminister Tony Blair erklärt, "absolut schlagkräftige und unwiederlegbare Beweise" gesehen zu haben, die die Beteiligung Bin Ladens an den Anschlägen deutlich machen.
1. Oktober: Bush verabschiedet ein mehrere Millionen Dollar umfassendes Hilfspaket für afghanische Flüchtlinge. Iran warnt die USA vor der Verletzung ihres Luftraums im Falle eines Militärschlags. Der Truppenaufmarsch der USA geht weiter. Rund 29 000 amerikanische Soldaten befinden sich in Bereitschaft.
2. Oktober: Die Nato sieht die Schuld Bin Laden als klar bewiesen an und ruft den Bündnisfall aus. Blair ruft die Taliban zur Auslieferung von Terroristen auf. Andernfalls müsse das Regime in Kabul damit rechnen, gewaltsam gestürzt zu werden.
3. Oktober: Die USA legen den Nato-Staaten eine Liste mit konkreten Wünschen für eine Unterstützung vor.
4. Oktober: Der britische Premierminister Blair erklärt die Beweise gegen bin Laden vor dem Unterhaus in London für eindeutig. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erörtert die Lage bei Besuchen in Saudi-Arabien und Oman; anschließend fliegt er nach Usbekistan.
5. Oktober: Blair lobt in Moskau die Unterstützung der russischen Regierung für die geplante Kampagne gegen den internationalen Terrorismus.
6. Oktober: Über Kabul wird ein hoch fliegendes Aufklärungsflugzeug gesichtet. Die Flugabwehr der Taliban feuert auf die Maschine, ohne sie zu treffen. Bush sagt an die Adresse der Taliban: "Die Zeit läuft ab."
7. Oktober: Die USA beginnen mit ihren angedrohten Angriffen auf Ziele in Afghanistan. Bush erklärt in einer Fernsehansprache, an der Militäraktion seien Truppen der USA und Großbritanniens beteiligt. Es gehe um "sorgfältig gezielte Aktionen" gegen das Netzwerk der Terroristen und Militäreinrichtungen des afghanischen Taliban-Regimes.