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Die Regierungen fast aller islamischer Staaten äußerten weitgehend Verständnis für die Angriffe auf Afghanistan. In einigen Ländern protestierten unterdessen Muslime auf den Straßen gegen die Politik der Vereinigten Staaten.
Berlin - Die einzigen gewalttätigen Proteste größeren Ausmaßes gab es bislang in Pakistan. Unterschiedlichen Medienberichten zufolge haben zwischen 4000 und 10.000 Demonstranten in Quetta Rufe wie "Tod für Amerika" und "Bush ist ein Terrorist" skandiert, ein Kino in Brand gesteckt und Sicherheitskräfte mit Steinen beworfen. Die Polizei habe Tränengas und Schlagstöcke eingesetzt, um die Proteste niederzuschlagen. Ein Demonstrant sei dabei ums Leben gekommen, zudem hätten sich 26 Menschen verletzt. In Karachi, der größten Stadt Pakistans, und in Peschawar kam es ebenfalls zu teils gewalttätigen Protesten.
Musharraf rechtfertigt amerikanisches Vorgehen
Obwohl auch islamische Parteien die Angriffe der Vereinigten Staaten verurteilten, rechtfertigte der pakistanische Präsident Pervez Musharraf die amerikanischen Militärschläge. Afghanistan habe genug Gelegenheiten verstreichen lassen, die Angriffe zu verhindern. Musharraf forderte allerdings, dass der Krieg nicht zu lange dauern dürfe.
Anti-amerikanische Demonstrationen in Indonesien
In Indonesien forderten radikal-islamische Gruppen Präsidentin Megawati Sukarnoputri auf, die diplomatischen Beziehungen zu den USA abzubrechen. Zudem riefen die Organisationen zum "Heiligen Krieg" und zur Vergeltung an Amerikanern auf. Wesentlich gemäßigter reagierte die größte islamische Organisation des Landes: Sie äußerte zwar ebenfalls ihre Besorgnis über die Angriffe, verurteilte sie aber nicht.
Die indonesischen Regierung versuchte in einer offiziellen Erklärung, sowohl der amerikanischen Regierung die Loyalität zuzusichern, zugleich aber auch die muslimischen Hardliner im eigenen Land zu besänftigen. Die Regierung verfolge die Ereignisse mit großer Besorgnis, so die offizielle Sprachregelung.
In der indonesischen Hauptstadt Jakarta blieb es trotz der Aufrufe zu antiamerikanischen Protesten weitgehend ruhig. Bis zum Nachmittag örtlicher Zeit zogen lediglich 300 Studenten friedlich zur US-Botschaft.
Malaysias Premier warnt vor Katastrophe
Andere islamische Staaten äußerten sich bislang eher zurückhaltend: Im überwiegend muslimisch geprägten Malaysia mahnten Regierung und die größte islamische Oppositionspartei, dass unschuldige Menschen ihr Leben verlören. Präsident Mahathir Mohamad, in den vergangenen Jahren ein lautstarker Kritiker des Westens, warnte davor, dass die Aktion in einer Katastrophe enden könnte. Vor dem Angriff auf Afghanistan hatte er zwar den amerikanischen Kampf gegen den Terrorismus unterstützt, allerdings vor einem Angriff auf Afghanistan gewarnt.
Die Regierung Bangladeschs kritisierte die Militäraktion und forderte den sofortigen Rückzug aus Afghanistan.
Arabische Welt reagiert unterschiedlich
Die meisten Regierungen der arabischen Länder billigten die Angriffe der Vereinigten Staaten weitgehend, reagierten allerdings überwiegend zurückhaltend. Einige arabische Staaten äußerten auch ihre Besorgnis, dass sich der Krieg auf ihre Länder ausweiten könnte.
Jordanien sagt USA volle Unterstützung zu
Jordanien, einer der wichtigsten arabischen Partner der USA, sicherte dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush vollen Rückhalt zu. Allerdings müsse das afghanische Volk so gut wie möglich verschont werden, teilte die Regierung in einer Stellungnahme mit. Radikal-islamistische Gruppen in Jordanien wie die Muslimbruderschaft verurteilten hingegen die Angriffe. Sie sagten weiter voraus, dass Bin Laden aufgrund der gegen ihn gerichteten Angriffe ein Held in der islamischen Welt würde.
Syrien verweist auf Zusammenhang zwischen Terrorismus und Nahost-Konflikt
Die syrische Regierung verwies in einer ersten offiziellen Reaktion auf einen Zusammenhang zwischen der Bekämpfung des Terrorismus und dem Nahost-Konflikt. Die Syrer seien bereit zum Kampf gegen alle Terroristen. Allerdings handele es sich nicht nur bei den Tätern von New York und Washington um Terroristen. Gleiches gelte auch für israelische Soldaten, die schutzlose Palästinenser töteten, sagte ein Sprecher Medienberichten zufolge.
Der libanesische Informationsminister Ghazi Aridi warnte davor, dass die Militärschläge unkontrollierbare Reaktionen auslösen könnten. Er verwies zugleich auf die Treffen von Arabischer Liga und Islamischer Konferenz, bei der die arabischen und islamischen Staaten eine gemeinsame Erklärung formulieren wollten.
Treffen von Arabischer Liga und Organisation der islamischen Konferenz
Zu diesen Treffen werden am Dienstag die Außenminister der 22 Staaten der arabischen Liga und die Außenminister der 56 Staaten der Organisation der islamischen Konferenz, zu Konferenzen zusammenkommen. Neben der aktuellen Situation in Afghanistan soll auch erörtert werden, wie die Staaten im Falle eines Angriffs auf den Irak und Syrien vorgehen wollen. Beide Länder werden verdächtigt, den internationalen Terrorismus zu unterstützen.
Iran warnt vor Ausweitung des Terrors
Der oberste Führer der Islamischen Republik Iran, Ajatollah Ali Chamenei, hat unterdessen die US-Militärschläge gegen das Taliban-Regime in Afghanistan verurteilt. Er warf den USA in einer vom staatlichen Fernsehen verbreiteten Rede vor, die Welt hinsichtlich ihrer wahren Absichten zu belügen. Das Hauptziel der USA sei nicht, Terrorismus auszurotten, sondern ihren politischen und strategischen Einfluss in der Region auszudehnen, sagte Chamenei. Sein Außenminister Kamal Charrasi bezeichnete die Angriffe als nicht akzeptabel. Es würden unschuldige Menschen verletzt, zudem würden religiöse Extremisten ermutigt zum Kampf.
Die iranische Regierung will nach bisherigem Kenntnisstand zwar auch den Sturz des Taliban-Regimes und unterstützt deshalb die Nordallianz mit Waffenlieferungen, wahrt aber offiziell strikte Neutralität in dem Konflikt.
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