Anschläge auf World Trade Center und Pentagon

Wahnsinn: Keine Überreaktionen, kühlen Kopf bewahren!

Kommentar von Franz-josef Hanke aus Marburg

11.09.2001

An der Ketzerbach steht ein Betrunkener. "Das World Trade Center liegt in Schutt und Asche. Das Pentagon brennt. Nieder mit dem Antiimperialismus!" Wie andere Passanten auch, nehme ich diesen "Spinner" nicht ernst. Ich gehe ruhig weiter und lächele über ihn. An der Kreuzung vor der Elisabethkirche begegnet mir Henning. "Amerika brennt, und Du lächelst!", begrüßt er mich, "Du weißt wohl noch nicht, was geschehen ist." Dann berichtet er mir von den Anschlägen auf das World Trade Center in New York, das Pentagon und das Foreign Office in Washington sowie den Flugzeugabsturz bei Pittsburgh. Daheim im Radio erfahre ich Näheres. Wieder und wieder werde ich das Geschehen geschildert bekommen und hören, wie die Politiker darauf reagieren. Ein ängstlicher George W. Bush mimt auf einem Luftwaffenstützpunkt in Nebraska den tapferen Cowboy. Ein erschütterter Gerhard Schröder verspricht ihm nach der Sitzung des Bundessicherheitsrats am Abend "uneingeschränkte Solidarität". Ich mache mir Sorgen. Dieser mörderische Angriff zeugt von kaltblütiger Brutalität. Wer so etwas tut, muss wahnsinnig sein. Zwei Flugzeuge wurden am Dienstag (11. September) in die Türme des World Trade Center hineingeflogen, mit mehr als 150 Menschen an Bord! Weitere Flugzeug-Anschläge fanden gleichzeitig auf das Pentagon in Washington und das Foreign Office statt. Zigtausende von Menschen sind dabei zu Tode gekommen. Ein menschenverachtender Plan wurde minutiös ausgeführt, hinter dem eine irrsinnige Strategie zutage tritt. Es scheint aber nicht das Werk eines Einzelnen zu sein, sondern die sorgfältig geplante Aktion einer präzise arbeitenden, perfekt koordinierten Gruppe. Das ist eine Kriegserklärung an die US-Regierung unter George Bush und ihre Verbündeten. Ein Weltkrieg könnte denn auch eine mögliche Folge dieser heimtückischen Attentate sein. Es steht zu befürchten, dass die Spirale der Gewalt, die in Palästina niemand so recht aufhalten mochte, nun weiter eskaliert. Und es steht zu befürchten, dass scharfe Sicherheitsmaßnahmen nun allenthalben Platz greifen werden. Die moderne Zivilisation ist verletzbar. Eine absolute Sicherheit gibt es nicht. Die Freiheitsrechte dürfen aber nicht dem Wahnsinn einiger Topp-Terroristen geopfert werden. Wenn Bürgerrechte eingeschränkt, um so die "Sicherheit" zu gewährleisten, dann haben die Terroristen eines ihrer Ziele erreicht. So bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen in Nachrichtendiensten, Militär und Politik kühlen Kopf bewahren.

© 2001, Franz-Josef Hanke

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